Klimaforscher warnen vor einer längeren Heißzeit

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Dabei liegt der Fokus auf sogenannten Kippelementen, die eine Erderwärmung verursachen könnten - auch ohne menschlichen Einfluss.

Die neue Studie zeigt, dass die Erderwärmung ab einem bestimmten "Kipppunkt" unumkehrbar wäre - selbst bei Einhaltung des Pariser Klimaabkommens.

Bei einem solchen Szenario würde sich die Erde um vier bis fünf Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter erwärmen, heißt es in einem am Montag im US-Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Scienes" (PNAS) veröffentlichten Bericht.

Dorfbewohner gehen an der Grenze zu Äthiopien am Kadaver eines Rindes vorbei.

Das schreibt das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Zu den Faktoren, die diese Entwicklung vorantreiben, zählen den Angaben zufolge unter anderem die auftauenden Permafrostböden in Russland, Kanada und Nordeuropa, die Eisschmelze in der Antarktis und das Regenwaldsterben. Sie könnten sich wie eine Reihe von Dominosteinen verhalten, sagte Mitautor Johan Rockström, Direktor des Stockholm Resilience Centre und designierter Ko-Direktor des PIK.

"Werden dadurch empfindliche Elemente des Erdsystems gekippt, könnte sich die Erwärmung durch Rückkoppelungseffekte selbst weiter verstärken. Das Ergebnis wäre eine Welt, die anders ist, als alles, was wir kennen", so der Klimaforscher.

Auch Schellenhuber räumt ein: "Die Forschung muss sich daran machen, dieses Risiko schnellstmöglich besser abzuschätzen". Laut den Autoren könnte es schwieriger werden als bisher angenommen, das Klimaziel des Pariser Abkommens einer Erwärmung von 1,5 bis 2 Grad Celsius zu halten.

Derzeit ist die Erde im Durchschnitt bereits gut ein Grad wärmer als noch vor Beginn der Industrialisierung Ende des 18. Jahrhunderts. "Das Erdsystem könnte auf einen planetarischen Grenzwert zusteuern, ab dem ein anhaltend schneller Weg hin zu viel heißeren Bedingungen eingeschlagen würde - dem Treibhaus Erde", heißt es in der Studie.

Kippelemente im Erdsystem seien mit schweren Felsbrocken am Strand vergleichbar, erläuterte Schellnhuber. Und der Kollaps des grönländischen Eisschildes könnte bereits bei einer Temperaturerhöhung um zwei Grad einsetzen. "Die roten Linien für einige der Kippelemente liegen wohl genau im Pariser Korridor zwischen 1,5 und zwei Grad Erwärmung".

Dennoch sei die Studie ein wichtiger und provozierender Artikel, sagt Jonathan Overpeck von der University of Michigan. Das wiederum könnte weitere dieser Elemente kippen - und so zu einer Heißzeit führen. "Die Risiken zu ignorieren, könnte katastrophal für den Menschen und den Planeten werden".

Jeder Einzelne könne etwas beitragen, um dem Klimawandel zu begegnen, aber vor allem sei die Politik gefordert, sagte Schellnhuber, der Mitglied der Kommission der Bundesregierung zum Kohleausstieg ist. So ist nicht nur für Mitautor Hans Joachim Schnellnhuber klar, dass der Kohleausstieg aus wissenschaftlicher Sict so schnell wie möglich umgesetzt werden müsse. "Die Kohleverstromung ist das schädlichste, was man dem Klima antun kann", sagte er.

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