Streit um Asylantrag: Unrechtmäßig abgeschobener Afghane kehrt nach Deutschland zurück

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Doch obwohl das Verfahren noch nicht abgeschlossen war und das Gericht ihn für den 11. Juli 2018 vorgeladen hatte, wurde er bereits am 3. Juli nach Afghanistan abgeschoben. Eine Panne, räumten die Behörden ein.

Nasibullah S. war am 11. November 2015 nach Deutschland gekommen und hatte im Dezember 2015 Asyl beantragt.

Nach Angaben von Offiziellen in Kabul flog der afghanische Asylbewerber daher am Mittwoch von der afghanischen Hauptstadt Kabul nach Islamabad, wo er ein Visum für die Weiterreise nach Deutschland erhalten sollte. Das Auswärtige Amt hatte seine Unterkunft in einem Hotel in Kabul organisiert. "Mein Plan ist: Ich will studieren und arbeiten und in Deutschland zur Ruhe kommen", sagte er NDR und SZ. Sein Rückflug nach Deutschland ist daher auf Sonntag verschoben worden. Er gehört zu jenen abgeschobenen Menschen, über die Bundesinnenminister Horst Seehofer gesagt hatte, er habe die Abschiebung von 69 Menschen zu seinem 69.

"Wegen des laufenden Asylklageverfahrens hätte keine Abschiebung erfolgen dürfen", zitierte der Sender einen Sprecher des Verwaltungsgerichts Greifswald. In der Woche nach der Abschiebung hätte Nasibullah S. vor Gericht angehört werden sollen.

Der Fall wurde erst zwei Wochen nach der Abschiebung bekannt. Dies wurde jedoch im Februar 2017 vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) abgelehnt. Nach eigenen Angaben wagte er sich aber kaum vor die Tür: "Ich habe große Angst, immer wenn ich auf die Straße gehe".

Nach seiner Rückkehr ist wieder das Verwaltungsgericht Greifswald am Zug. Der Afghane klagte gegen den Bescheid, wurde aber dennoch abgeschoben. Darüber will er aber im Moment nicht nachdenken.

Seine Anwältin Sonja Steffen sagte, die Chancen durch die unrechtmäßige Abschiebung seien weder besser noch schlechter geworden. Sie forderte aber mehr Sorgfalt der Behörden: "Es geht um Menschen und es geht um Schicksale. Deswegen ist meine Forderung, dass vor jeder Abschiebung nochmalsehr sorgfältig gecheckt wird, ob die Abschiebung rechtmäßig ist". Ein 23-jährige Asylbewerber wurde von Bayern nach China abgeschoben, obwohl über seinen Antrag noch nicht entschieden war. In der Begründung hieß es aber, er müsse nicht in den gefährlichen Süden des Landes zurückkehren, sondern könne auch in anderen Regionen Afghanistans leben, die ausreichend sicher seien. Er darf nun hier bleiben. Ein Gericht im baden-württembergischen Sigmaringen erkannte ihn als Flüchtling an.

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