Will Elon Musk Tesla von der Börse nehmen?

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Tesla-Chef Elon Musk spielt mit dem Gedanken, den Elektroautobauer von der Börse zu nehmen.

"Ich glaube, es ist der beste Weg nach vorne", schrieb er den Mitarbeitern des Elektroautokonzerns am Dienstag (Ortszeit) in einer Rundmail.

An den Finanzmärkten liefen in letzter Zeit sehr viele Wetten auf Kursverluste der Tesla-Aktien.

Wenn stimmt, was das Finanzblatt von Insidern erfahren hat, haben die Saudis nach und nach eine mehrere Milliarden Dollar schwere Beteiligung aufgebaut und wären inzwischen unter den acht größten Tesla-Aktionären.

Dem Aktienkurs gab die Nachricht ordentlich Kursauftrieb. Dabei nannte er als angepeilten Kaufpreis für jede Aktie des Herstellers von Elektroautos eine Summe von 420 US-Dollar - und verkündete obendrein auch noch, dass die Finanzierung des Vorhabens bereits gesichert sei.

► Die Technologie-Börse Nasdaq, an der Teslas Papiere gehandelt werden, stoppte angesichts der Aufregung rund um Musks Tweets zwischenzeitlich den Handel mit Tesla-Aktien. Erst jetzt - Stunden nach Musks erstem Tweet, dem etliche weitere, teils nebulöse Kurznachrichten folgten - sorgte Tesla mit der E-Mail im Firmenblog für Aufklärung. Darin bestätigt Musk zwar seine Planspiele und erklärt auch seine Beweggründe, doch vieles bleibt im Unklaren. In einem Brief an die Mitarbeiter schrieb Musk, eine endgültige Entscheidung sei noch nicht getroffen. Wenn die Entwicklung von Tesla ruhigere Fahrwasser erreicht habe und Teslas Wachstum besser voraussagbar sei, könne es wahrscheinlich Sinn machen, an die Börse zurück zu kehren, so Musk. Damit wäre der Staatsfonds einer der acht größten Anteilseigner von Tesla.

Musk selbst ging mit diesem Druck zuletzt nicht immer souverän um.

Den Grund für diesen überraschenden Schritt lieferte Musk gleich mit: Ein Privatunternehmen sei leichter zu handhaben und nicht mehr kurzfristigen Rendite-Zielen unterworfen. Musk glaube, die Firma sei dann "am besten, wenn wir auf unsere langfristige Mission fokussiert bleiben können und wenn keine perversen Anreize für Menschen bestehen, die versuchen zu gefährden, was wir erreichen wollen". Laut des Finanzdaten- und Softwareunternehmens FactSet handelte es sich um den geschäftigsten Handelstag für Tesla seit Februar 2014. Die Produktion des Models 3, des ersten günstigeren Teslas für die breite Masse, verschlingt enorm viel Geld, kam aber noch nicht wie erhofft in die Gänge.

Einige Analysten gehen angesichts des Model-3-Aufwands und Teslas ambitionierter Expansionspläne - es sollen beispielsweise große Fabriken in China und Europa gebaut werden - davon aus, dass bald eine Kapitalerhöhung nötig wird. Musk wies dies bislang stets zurück und versprach Anlegern sogar, dass die bislang verlustreiche Firma bald profitabel werde. Daraufhin habe der Staatsfonds sich mit Hilfe der Grossbank JPMorgan am Markt mit den Papieren eingedeckt.

Musks Planspiele und die Art, wie er sich kommuniziert hat, werfen jedoch noch ganz andere Fragen auf. Entscheiden sie sich dafür, sollen sie ungefähr alle sechs Monate Anteile verkaufen oder kaufen können. Für den Tesla-Chef könnte all das noch Konsequenzen haben. "Aber wenn er dies nicht belegen kann, riskiert er einen großen Rechtsstreit".

Fest steht: Für Musk selbst hat sich die Kursrally gelohnt. Die Aktie schloss mit elf Prozent im Plus bei 379,57 Dollar und er ist mit rund 20 Prozent der größte Investor seiner Firma. Weniger klar ist indes, ob und wie sich sein Privatisierungsplan umsetzen lassen würde. Das wäre finanziell ein enormer Kraftakt: Das Kursziel von 420 Dollar würde einer Gesamtbewertung von 82 Milliarden Dollar entsprechen.

Mit einem solchen Schritt würde Tesla aus dem grellen Schweinwerfer der Wall Street genommen. Den bisherigen Rekord hält der texanische Versorger Energy Future Holdings mit 45 Milliarden Dollar - die Transaktion endete in der Pleite.

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