Der Börsen-Tag:07:55 Türkei steuert Richtung Währungskrise

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"Die Märkte haben Angst, dass bei einer Eskalation und Sanktionen die türkischen Unternehmen und Banken schlimmstenfalls nicht mehr in der Lage sein werden, ihre Schulden zu refinanzieren", erklärt Jakob Christensen, Anlagestratege für Schwellenländer bei der Danske Bank. 2017 legte die Wirtschaft allerdings noch doppelt so stark zu. Die Börsenkurse der türkischen Banken sind seit Jahresbeginn um mehr als 30 Prozent eingebrochen.

Parallel dazu trieben am Donnerstag verstärkte Spekulationen auf Zahlungsausfälle in der Türkei die Kosten für Kreditausfall-Versicherungen auf den höchsten Stand seit Jahren.

Aus innenpolitischen Gründen hat die türkische Zentralbank, die dem Finanzminister und Schwiegersohn von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan untersteht, den Leitzins weiterhin bei 17,75 Prozent gelassen und so eine Inflationsbremse verhindert. Viele Anleger ziehen daher Geld ab und verkaufen türkische Anleihen und Aktien. Im Juli 2018 ist die Inflationsrate in der Türkei auf schwindelerregende 16 Prozent angestiegen.

Wird die Causa Brunson nicht rasch gelöst und versteift sich Erdogan weiterhin auf seine Rachegelüste in Richtung der Regimegegner in seinem Land und in der Welt, könnte die Türkei bald aus allen Bündnissen und Beistandsallianzen ausscheiden. Experten sind jedoch skeptisch, ob das reichen würde. Erst am Montag hatten die Währungshüter so rund 2,2 Milliarden Dollar an Liquidität bereitgestellt.

► Aktueller Auslöser: Die zerstrittenen Nato-Partner USA und Türkei haben trotz eines neuen Gesprächsanlaufs keine Annäherung erzielt.

Hinzu kommt der Streit zwischen Washington und Ankara über den in der Türkei festgehaltenen US-Pastor Andrew Brunson. Auch aus weiteren Gesprächen beider Seiten im US-Handelsministerium wurden keine Fortschritte gemeldet. Brunson lebt seit mehr als 20 Jahren in der Türkei. Die dortige Justiz wirft ihm vor, Kontakte zum Prediger Fetullah Gülen unterhalten zu haben, den die Regierung in Ankara für den Putschversuch in der Türkei vor zwei Jahren verantwortlich macht.

Die USA und die Türkei haben inzwischen Sanktionen gegen Minister des jeweils anderen Landes verhängt. Die Regierung in Washington überprüft zudem den teilweise zollfreien Zugang der Türkei zum amerikanischen Markt.

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