Martin Schulz überraschend im Gefängnis bei Lula

Einstellen Kommentar Drucken

Im Eingang des Gefängnisses hängt eine kleine Messingtafel. Nun sitzt Lula ausgerechnet in diesem Gebäude selbst ein. Er nennt Lula einen Freund. Und sieht das Verfahren gegen ihn als höchst zweifelhaft an. Die Strafe ist in der Tat ungewöhnlich hoch. Unter der Regierung des konservativen Präsidenten Michel Temer habe sich Brasilien zunehmend isoliert.

Eigentlich ist es ein Quartier der Bundespolizei, in dem meist nur Untersuchungshäftlinge sitzen. Es gibt da nur ein Problem: Er sitzt hinter Gittern. Von hier führt Lula einen ungewöhnlichen Wahlkampf. Lula war nach jüngsten Umfragen mit rund 40 Prozent der mit Abstand beliebteste Bewerber. Er will Brasilien nach dem Absturz wieder zu alter Größe führen. Das haben ihm viele nicht vergessen - und halten ihm daher die Treue, aber das Denkmal Lula ist ziemlich gebröckelt. Der 72-Jährige dürfe als Kandidat nicht von der Wahl ausgeschlossen werden, solange er nicht sämtliche juristischen Möglichkeiten ausgeschöpft habe, gegen seine Verurteilung vorzugehen.

Die Arbeiterpartei in Brasilien hält trotz eines gerichtlichen Verbots an Lula als Präsidentschafskandidat fest - und ruft ihre Anhänger auf die Straße.

Lula trat im April eine zwölfjährige Haftstrafe wegen Korruption und Geldwäsche an. Auch mit Außenminister Heiko Maas (SPD) habe er natürlich darüber geredet.

In einem ersten Wahlwerbespot stellte sich Haddad am Samstag demonstrativ hinter Lula. Einige Bürger in Curitiba äußern Kritik an der Visite. Aber dennoch wurde in brasilianischen Medien die Frage aufgeworfen, ob sich Schulz nicht in innere Angelegenheiten einmische. "Keine Macht der Welt kann mich daran hindern, zu einem Mann, den ich seit vielen Jahren kenne und dem ich vertraue, zu sagen: Ich glaube dir", sagte Schulz mit Blick auf die Korruptionsvorwürfe.

Schulz betonte, Lula und die PT stünden für Multilateralismus - gerade auch gegenüber Europa. Er schockierte immer wieder mit Entgleisungen. Bolsonaro könnte mehrere Militärs in sein Kabinett berufen. Brasilien sei ökonomisch ein wichtiger Partner und habe zu Zeiten der PT-Regierungen die internationale Kooperation gestärkt, etwa auf UN-Ebene und beim Klimaschutz. Beobachter gehen allerdings nicht davon aus, dass Lula die Gerichtsentscheidung noch kippen kann. Sie haben das Revoluzzer-Konterfei von Che Guevara für Lula adaptiert, nennen ihn einen brasilianischen Nelson Mandela, einen "preso politico", einen politischen Gefangenen. Unter anderem während seiner Zeit als Präsident des Europaparlaments habe er einen Präsidenten Brasiliens erlebt, "der für die Stabilität und den Frieden der Welt mit seinem Land arbeiten wollte", sagte Schulz.

Lula habe immer für Menschenwürde, Toleranz und Demokratie gekämpft.

Die Politik in Brasilien wirkt gerade wie eine Telenovela.

Der Vize-Kandidat der brasilianischen Arbeiterpartei, Fernando Haddad (Zweiter von rechts) könnte Lula als Präsidentschaftskandidat ersetzen, ist aber wenig populär.

Parteichefin Gleisi Hoffmann glaubt, dass der frühere Bürgermeister von São Paulo auf bis zu 80 Prozent der Lula-Stimmen zählen darf. Ginge es dann gegen Bolsonaro, könnte er eventuell gewinnen.

Comments