Nordrhein-Westfalen: Aldi-Nord-Chef Heußinger gibt Posten auf

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Obwohl sein Vertrag erst vor kurzem um weitere fünf Jahre verlängert wurde, tritt Aldi-Nord-Chef Marc Heußinger überraschend zurück.

Die Geschäftsführung übernehme "bis auf weiteres" Heußingers Stellvertreter Torsten Hufnagel, hieß es weiter. So lange wie kaum ein anderer Spitzenmanager hat er die Expansion des Essener Discounters vorangetrieben. Eine steile Karriere katapultierte ihn schließlich in den Verwaltungsrat, dessen Vorsitz er 2011 übernahm. Denn der Billiganbieter drohte damals den Anschluss an das Schwesterunternehmen Aldi Süd und den Konkurrenten Lidl zu verlieren. Auch die dunklen Filialen und das karge Sortiment waren nicht mehr zeitgemäß.

Das Programm war im vergangenen Sommer angelaufen: Alle rund 2300 Aldi-Nord-Märkte sollen bis Anfang 2019 neu gestaltet werden, heller und freundlicher, wie das Unternehmen es angekündigt hatte. Doch die größte Investition in der Unternehmensgeschichte stieß nicht bei der gesamten Inhaber-Familie auf Gegenliebe. Zu den Gründen für den Rückzug äußerte sich das Unternehmen nicht. Das Unternehmen ist im Besitz von drei Stiftungen: der Markus- und der Lukas-Stiftung, die von der Gründerwitwe Cäcilie Albrecht und ihrem Sohn Theo Albrecht Junior kontrolliert werden, sowie der Jakobus-Stiftung, bei der Nachkommen von Theos 2012 gestorbenem Bruder Berthold das Sagen haben. Am Ende gab dann aber auch die Jakobus-Stiftung grünes Licht für den Filialumbau.

Das Milliarden-Projekt habe zuletzt zu Auseinandersetzungen in der Führungsspitze geführt, meldet die Deutsche Presse-Agentur. Außerdem seien die Wachstumsraten des Discounter-Konzerns hinter den Erwartungen geblieben.

Heußinger seinerseits soll sich darüber beklagt haben, dass seine Entscheidungen immer wieder angezweifelt worden seien und er bei der Umsetzung behindert worden sei. Aus seinem Umfeld heißt es, er habe den Eindruck gehabt, dass die Jakobus-Stiftung, die ein Drittel von Aldi Nord besitzt, ihm kein Vertrauen mehr entgegenbringe. Aldi Nord wollte den Bericht zunächst nicht kommentieren.

Aldi Nord ist mit mehr als 60 000 Mitarbeitern in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Dänemark, Frankreich, Luxemburg, Spanien, Portugal und Polen mit Discountern vertreten. Der Trennung ging offenbar ein Streit um das milliardenschwere Modernisierungsprogramm des Billiganbieters voraus.

Auch die Planungen für den Neubau des Aldi-Campus in Essen seien auf einem guten Weg.

Bei Aldi Nord hat nun erst einmal Heußingers Stellvertreter Hufnagel das Ruder übernommen. Er hat das Unternehmen nach dpa-Informationen bereits verlassen. Er gilt auch als aussichtsreichster Kandidat bei der endgültigen Besetzung des Chefpostens.

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