Fall Skripal - Britische Polizei sucht per Haftbefehl nach zwei Russen

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Die beiden gesuchten Verdächtigen seien Mitglieder des russischen Militärgeheimdienstes GRU und hätten höchstwahrscheinlich im Auftrag der russischen Regierung gehandelt, sagte May am Mittwoch im britischen Parlament.

Der Berater des russischen Präsidialamtes, Juri Uschakow, zeigte sich nach Bekanntgabe des Haftbefehls irritiert. Sie sprach von einer "Provokation". "Ich werde die Liste dieses haltlosen und verlogenen Cocktails an Fakten nicht durchgehen", sagte Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja in einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats am Donnerstag in New York. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Nervengift, das schon bei Kontakt mit geringen Mengen wirkt, an die Haustür der Skripals geschmiert wurde, vor allem auf den Türgriff.

Petrow und Boschirow waren zwei Tage vor der Vergiftung mit russischen Pässen von Moskau nach London gereist. Sie waren mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet worden.

Beim Anschlag handle es sich nicht um eine auf eigene Faust geplante Tat von Kriminellen, sagte May: "Er wurde nahezu sicher auf hoher russischer Staatsebene genehmigt". Zuvor hatte die Polizei die Fahndungsfotos von Alexander Petrow und Ruslan Boschirow veröffentlicht.

Beiden wird dreifacher versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und der Besitz des chemischen Kampfstoffs Nowitschok vorgeworfen, wie die Generalstaatsanwaltschaft mitteilte.

Der Tonfall, wie May Russland Vorwürfe mache, sei unannehmbar, erklärte das russische Außenministerium am Mittwoch. "Die in den Medien veröffentlichten Namen und Bilder sagen uns nichts", sagte eine Ministeriumssprecherin. Sie forderte die britische Regierung auf, auf "öffentliche Anschuldigungen" und das "Manipulieren von Informationen" zu verzichten und stattdessen mit den russischen Ermittlungsbehörden zusammenzuarbeiten.

Untersuchungen der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) stellten später fest, dass es sich exakt um den gleichen Stoff handelte wie in dem Parfümfläschchen.

Das russische Außenministerium wies alle Vorwürfe umgehend zurück.

London. Der Anschlag auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal in Salisbury hatte zu schweren diplomatischen Verwerfungen zwischen London und Moskau geführt. Ein Auslieferungsgesuch werde nicht gestellt, da russisches Recht verbiete, eigene Staatsbürger auszuliefern.

Moskau teilte mit, nach den zwei mutmaßlichen Verdächtigen nur nach einer offiziellen Anfrage aus Großbritannien suchen zu wollen. Minutiös zeichneten die Ermittler den Weg der beiden nach Salisbury nach - sie hatten dafür etwa 11.000 Stunden an Videoaufnahmen ausgewertet. Der Mann hatte nach eigenen Angaben ein Fläschchen gefunden, das er irrtümlich für einen Parfümflakon hielt und seiner Freundin schenkte. Laut Polizei enthielt die Flasche eine "bedeutende Menge" Nowitschok. Vielmehr seien sie Opfer der "Rücksichtslosigkeit" geworden, mit der die Täter das hochgefährliche Gift nach dem Skripal-Anschlag entsorgten.

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