Messer-Attacke auf brasilianischen Präsidentschafts-Kandidaten

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Ein Verdächtiger konnte nach der Attacke festgenommen werden, heißt es unter Berufung auf die Polizei. Sein Vater wurde in einem Krankenhaus in Juiz de Fora notoperiert. Die nächsten 48 Stunden seien entscheidend.

Der Zustand des brasilianischen Präsidentschaftskandidaten Bolsonaro ist nach einer Messerattacke wieder stabil. Inzwischen ist aber von ernsthaften inneren Verletzungen die Rede. Auch die Leber, die Lunge und der Darm wurden verletzt. Der Stich in die Bauchgegend sei nur oberflächlich gewesen, schrieb sein Sohn Flavio Bolsonaro am Donnerstag im Kurzbotschaftendienst Twitter. Er verlor viel Blut, erreichte fast tot das Krankenhaus. Das Motiv für den Angriff ist noch unklar.

Anhänger filmten Bolsonaro während der Veranstaltung, als der Angreifer zustach. Plötzlich zuckt der Politiker zusammen und krümmt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht. Die Polizei nahm den mutmaßlichen Täter fest. Der 40-Jährige habe ohne Tötungsabsicht aus "religiösen Gründen mit politischem Hintergrund" gehandelt, wurde der Anwalt des Festgenommenen in den Medien zitiert. Er sei vermutlich geistig verwirrt.

Der inhaftierte Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva darf bei der Wahl für das höchste Staatsamt nicht antreten. Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ibope wollen 22 Prozent der Wähler für den früheren Fallschirmjäger stimmen. Dass er aber auch in der erwarteten Stichwahl gewinnen könnte, gilt als unwahrscheinlich. Immer wieder schockiert er mit Entgleisungen.

Bolsonaros Hetzkampagne gegen Homosexuelle, Schwarze und Frauen stößt auf Ablehnung in vielen Bevölkerungsschichten. Die Anhänger von Lulas linker Arbeiterpartei sollten erschossen werden, sagte er ein anderes Mal.

Der "Trump Brasiliens" mischt zwar schon lange im Politikbetrieb mit, präsentierte sich neuerdings aber als Anti-System-Kandidat. Im Falle eines Wahlsiegs will er Ministerposten mit Militärs besetzen und angesichts der eskalierenden Kriminalität die Bevölkerung bewaffnen.

Trotz aller ideologischer Unterschiede verurteilten Politiker jeder Couleur den Anschlag auf Bolsonaro.

Alle Kandidaten sagten Wahlkampfveranstaltungen für heute Freitag ab. Es wird zum Unabhängigkeitstag in Brasilien mit Demonstrationen in den Städten gerechnet.

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