Interner Brandbrief: Bahn-Chef Lutz ruft die Krise aus

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Die Fernzüge der Deutschen Bahn haben sich im August noch häufiger verspätet als zuvor.

Nun hat Bahn-Chef Richard Lutz gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen den Führungskräften im Konzern einen Brandbrief geschickt.

Der Chef der Deutschen Bahn, Richard Lutz, warnt seine Kollegen vor der schwierigen Lage des Konzerns. Lutz selbst beschreibt die Situation in klaren Worten. Denn: Die wirtschaftliche Lage habe sich in den vergangenen Monaten nicht verbessert, sondern verschlechtert, heißt es in dem Schreiben. "Da gibt es leider nichts zu beschönigen", sagt Lutz.

Wie dramatisch es um die Bahn steht, zeigt Lutz mit einem Kassensturz auf. Man sei "mit einem blauen Auge" davongekommen.

Das operative Ergebnis liege auch im Juli "deutlich unter dem Vorjahr und weit weg von unserer Zielsetzung". Das bereits auf 2,1 Milliarden Euro reduzierte Ergebnisziel für 2018 sei in Gefahr. Der Vorstand versucht, eine weitere Gewinnwarnung zu vermeiden. Hohe Investitionen in Züge und das Schienennetz trieben die Summe in diesem Jahr Richtung 20 Milliarden - diese Marke soll aber nicht überschritten werden. "Es würde unsere finanzielle Lage weiter destabilisieren und Vertrauen und Goodwill, die wir bei Eigentümer und Öffentlichkeit noch haben, zusätzlich beschädigen", schreibt Lutz. Nach Angaben des Spiegel hat der Bahnchef eine "Ausgabensteuerung" zur Kostensenkung beschlossen.

Probleme hat die Bahn auch mit dem lieben Geld.

Grund für die schlechte Ertragslage der Bahn ist die verschärfte Konkurrenz durch den Fernbusanbieter Flixbus, der neuerdings auch auf der Schiene unterwegs ist. Der daraus entstehende Preisdruck führt dazu, dass die Bahn mit ihren Fahrpreisen die Ausgaben nicht decken kann. Lutz beklagt auch Mängel im Management. Im Gegenteil. Sie liege im August bei unter 76 Prozent und sei "weiter abgerutscht", so Lutz. Dies sei schlechter als 2015, als die Bahn mit dem Projekt "Zukunft Bahn " gestartet sei. "Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit ist außerdem klar, dass wir 2018 weder die Vorjahreswerte und schon gar nicht unser Ziel erreichen werden".

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