Lira-Krise: Türkische Zentralbank hebt Leitzins überraschend stark an

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Außerdem hofft sie mit dieser massiven Zinserhöhung auch ausländische Investoren zu beeindrucken, damit diese wieder in die Lira investieren und so den zuletzt dramatischen Verfall der türkischen Währung stoppen.

Ökonomen drangen seit langem auf eine Erhöhung der Leitzinsen, doch hatten sie zumeist mit 200 bis 250 Basispunkten gerechnet. Sie fiel nach der Breitseite Erdogans gegen die Notenbank weiter: Der Dollar stieg im Gegenzug um 1,9 Prozent auf 6,45 Lira. Es ist dies ihr höchster Stand seit sie Ende August die Marke von 6 Lira überschritt.

Die Sitzung der TCMB Donnerstagmittag galt folglich als eine Art Nagelprobe, die britische "Financial Times" ("FT") nannte sie einen "Test" für deren Unabhängigkeit von der Politik.

Kurz vor der mit Spannung erwarteten Sitzung der Notenbank hatte Staatschef Recep Tayyip Erdogan die Währungshüter zur Senkung der Zinsen aufgefordert und damit die Talfahrt der Landeswährung beschleunigt. Das hatte im Vorfeld noch eine Abwertung der Lira ausgelöst, weil Anleger befürchteten, die Notenbank werde klein beigeben. "Zinsen sind der Grund und die Inflation die Folge". Wer das Gegenteil glaube, habe "nichts verstanden". Zinsen seien ein "Instrument für Ausbeutung".

Entgegen der Forderung des Präsidenten hebt die türkische Zentralbank die Leitzinsen an. "Ob dies aber der Befreiungsschlag für die Lira ist, bleibt abzuwarten. Schließlich hat die Zentralbank weiterhin das Problem, dass das Wachstum schwach ist". In der Türkei könnte es in den nächsten Monaten für Banken und Unternehmen kritisch werden. Die Auslandsverschuldung sei zu hoch, die Wirtschaft entwickele sich schleppend.

Zwar hatte der Präsident auch gesagt, die Zentralbank sei unabhängig und treffe ihre eigenen Entscheidungen.

Viele Ökonomen bezweifeln allerdings, dass die türkische Wirtschaft noch vor einem Abrutschen in die Rezession zu retten ist. Hinzu kommt ein politischer Streit mit den USA mit gegenseitigen Sanktionen.Unterdessen entschied Erdogan als Maßnahme gegen die Währungskrise, dass Geschäftsverträge zwischen in der Türkei lebenden Menschen nur noch in türkischer Lira und nicht mehr in Fremdwährungen wie Euro oder Dollar abgeschlossen werden dürfen. Der am Donnerstag veröffentlichte Erlass legt fest, dass diese Verträge innerhalb von 30 Tagen auf Lira umgestellt werden müssen. Die Mitgliedsunternehmen seien mit 15 Milliarden Dollar verschuldet.

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