Trumps Tweet wegen Kananaugh führt zu Protestwelle

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Die Anwälte einer Frau, die Vorwürfe gegen ihn erhob, haben sich erneut Bedenkzeit erbeten - und diese bekommen.

Jetzt hat Donald Trump mit sarkastisch wirkenden Aussagen zu den Missbrauchsvorwürfen eine Protestwelle ausgelöst.

Am Freitagmorgen (Ortszeit) hatte Trump in mehreren Tweets die Glaubwürdigkeit Fords in Frage gestellt und den beschuldigten Richter erneut in Schutz genommen.

Er habe keinen Zweifel, dass sich Ford oder ihre "liebevollen Eltern" damals sofort an die Strafverfolgungsbehörden gewandt hätten - falls die Attacke auf Ford so schlimm gewesen sei, wie sie es nun sage, schrieb Trump bei Twitter. Dass Ford 36 Jahre lang den Vorwurf der versuchten Vergewaltigung nicht öffentlich gemacht hat, ist einer der grössten Kritikpunkte des Kavanaugh-Lagers.

Damit ging Trump die Frau erstmals offensiv an. In den Tagen zuvor hatte er sich betont maßvoll in der Debatte gegeben.

Brett Kavanaugh ist eigentlich Trumps Wunschkandidat für den Supreme Court. Unter dem Hashtag #WhyIDidntReport solidarisierten sich bereits zehntausende Frauen und Männer mit Ford.

Zahlreiche Frauen und Männer, auch Prominente, schilderten nach dem Trump-Tweet ihre eigenen Fälle sexuellen Missbrauchs und warum sie niemandem etwas davon erzählten. Auch die Tochter des ehemaligen US-Präsidenten und Republikaners Ronald Reagan, Patti Davis, äußerte sich in einem Artikel in der "Washington Post".

Unter dem Hashtag werden nun Erklärungen für das lange Schweigen geliefert: Bereits zwei Stunden nach den Trump-Tweet war der Hashtag einer der weltweit am häufigsten verwendeten.

Die Aktivistin Ashley Judd, eine der Frauen, die den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein der sexuellen Belästigung beschuldigte, erklärte: "Als es das erste Mal passierte, war ich sieben". Ich habe es den ersten Erwachsenen erzählt, die mir begegnet sind. Sie sagten: Oh, er ist ein netter alter Mann. Als sie mit 15 Jahren ein weiteres Mal vergewaltigt worden sei, habe sie es nur ihrem Tagebuch anvertraut. Überdies befürworte Blasey Ford nach wie vor umfassende Ermittlungen vor ihrer Aussage. Nach dem Willen der Republikaner soll Brett Kavanaugh schnell bestätigt werden, damit die Personalie vor den Kongresswahlen im November als Erfolg der Konservativen verkauft werden kann. Der Justizausschuss des US-Senates entsprach der Bitte. "Ich möchte sie anhören", schrieb der Vorsitzende des Ausschusses, Chuck Grassley, in der Nacht zu Samstag auf Twitter.

Die Vorwürfe gegen Kavanaugh sind inzwischen Gegenstand einer ausgewachsenen parteipolitischen Schlammschlacht in Washington geworden. Die oppositionellen Demokraten wehren sich vehement gegen die Ernennung und versuchen, die Abstimmung zur endgültigen Bestätigung bis nach den Zwischenwahlen am 6. November zu verzögern – in der Hoffnung, dann eine eigene Mehrheit zu haben und Kavanaugh in letzter Sekunde noch verhindern zu können.

Auch die republikanische US-Senatorin Susan Collins, Mitglied im Justizausschuss, zeigte sich erschüttert: "Ich war entsetzt vom Tweet des Präsidenten", sagte sie US-Medien. Er sprach in einem weiteren Tweet von "linksradikalen Politikern", die keine Antworten wollten, sondern nur verzögern und Unheil anrichten.

Trump hat Brett Kavanaugh als künftigen Richter für den Supreme Court vorgeschlagen. Die Nachbesetzung mit Kavanaugh könnte dem obersten Gericht - höchste Instanz in vielen relevanten gesellschaftlichen Fragen - auf viele Jahre ein konservatives Übergewicht geben.

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