Anhörung nach Missbrauchsvorwürfen: Ford belastet Kavanaugh schwer

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Die Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford hatte dem Juristen in der Sitzung erneut versuchte Vergewaltigung vorgeworfen, wogegen sich dieser mit drastischen Worten wehrte.

"Einhundert Prozent" - so sicher sei sie, dass es Brett Kavanaugh war, der als Schüler versucht habe, sie zu vergewaltigen, sagte Christine Blasey Ford.

An der Anhörung kritisierten die Demokraten vor allem, dass ihnen wichtige Dokumente zur Beurteilung der beruflichen Vergangenheit Kavanaughs gar nicht oder nur sehr spät zugegangen sind.

Frauen mit gepanschten Getränken willenlos gemacht?

Dennoch: Als 1991 Anita Hill dem heutigen Supreme-Court-Richter Clarence Thomas sexuelle Belästigung vorwarf, ließ der Senat sie abblitzen.

Kavanaugh könnte das Gleichgewicht im Supreme Court dauerhaft nach rechts verschieben. "Niemand kann ihr zuhören, wie sie den Übergriff und seine Auswirkungen auf ihr Leben beschreibt, ohne dass man mit ihr mitfühlt". Ihr Kalkül: Bei den Kongresswahlen am 6. November wollen sie auch im Senat die Mehrheit zurückerobern. Sie sagte, sie sei sich zu "hundert Prozent" sicher, dass Kavanaugh der Angreifer gewesen sei. Sie wirft dem Juristen vor, dieser habe sie am Rande einer Schülerparty in den 1980er-Jahren zu vergewaltigen versucht. Jetzt lernt das Land auch die Person kennen, die hinter dem Namen steckt. Aus ihren Reihen wird vor allem dem Trump-Kritiker Jeff Flake aus Arizona und Susan Collins aus Maine zugetraut, dass sie Kavanaugh ihre Stimme verweigern. Ford kämpfte mit den Tränen, als sie vor der Befragung durch die Senatoren ihr vorbereitetes Statement ablas.

"Ich bin heute nicht hier, weil ich das will", sagte Ford. "Das hat mir am meisten Angst gemacht", sagt Ford. Es war schwer für mich, Luft zu holen. "Ich habe gedacht, dass Brett mich versehentlich töten könnte". Sie leide bis heute an Angstzuständen und Klaustrophobie.

Ford fügte hinzu, am deutlichsten in Erinnerung sei ihr das Gelächter der beiden Freunde bei dem Vorfall gewesen. "Nachdem sie auf meine Kosten Spaß hatten".

Gegen Kavanaugh werden immer lauter Missbrauchsvorwürfe unter Alkoholeinfluss in Schul- und Studienzeiten erhoben. Bei einer anonymen Hotline für Vergewaltigungsopfer etwa gehen am Donnerstag doppelt so viele Anrufe ein wie üblich.

Ford ist zurückhaltend, leise, korrigiert sich manchmal, kann einige Erinnerungslücken nicht füllen. Für die Republikaner macht das die auf sexuelle Gewalttaten spezialisierte Staatsanwältin Rachel Mitchell - ein bisher einzigartiges Vorgehen. Kavanaugh hingegen befragen sie wieder selbst. Kavanaugh schnauft, er hält eine Wutrede. Er sagte zu den Anschuldigungen: "Das zerstört meine Familie und meinen guten Namen".

Ob der Richter bei seinen Besuchen im Weißen Haus ermutigt wurde, aggressiver aufzutreten, ist nicht bekannt - kaum hatte er am Nachmittag vor dem Ausschuss Platz genommen, war jedoch klar, dass er nicht mehr auf die leise, höfliche Karte setzte. Er unterbrach ihn befragende Mitglieder des Ausschusses und stellte unangebrachte Gegenfragen. Die Nachbesetzung mit Kavanaugh könnte im obersten Gericht auf viele Jahre den Konservativen ein Übergewicht geben.

Kavanaugh sollte sich später ebenfalls vor dem Ausschuss äußern. Das überzeugt die Demokraten natürlich nicht.

Eine weitere Frau, Deborah Ramirez, hatte sich im "New Yorker" mit dem Vorwurf gemeldet, Kavanaugh habe ihr während einer Studentenparty an der Elite-Universität Yale in den 80er Jahren sein Geschlechtsteil ins Gesicht gedrückt. Er warf den Demokraten vor, eine politische Kampagne gegen ihn zu fahren.

Schließlich kommen die Republikaner ihrem Kandidaten zu Hilfe.

Doch als der Demokrat Richard Blumenthal aus Connecticut ausgerechnet seinen republikanischen Senatskollegen Lindsey Graham aus South Carolina zitiert, ist es um sie geschehen. Kurz vor der Entscheidung des US-Senats über die Personalie waren Fords Vorwürfe gegen Kavanaugh an die Öffentlichkeit gekommen. Ford wies den Verdacht strikt zurück, sie werde von den oppositionellen Demokraten instrumentalisiert. Derweil wollten einzelne Reporter auf dem Capitol Hill gehört haben, dass Donald Trump unzufrieden mit Mitchells Fragen am Morgen und verärgert über Blasey Fords glaubwürdigen Auftritt sei. Direkt nach Ende der Befragung verschickt er einen Tweet, in dem er Kavanaughs Wutauftritt lobt. Nun müsse der Senat abstimmen, forderte Trump. Dort haben die Republikaner eine hauchdünne Mehrheit, allerdings auch mehrere Senatoren, die Klärungsbedarf wegen der Vorwürfe angemeldet haben.

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