Böses Foul an May: Was "Brexit-Boris" in Unterhosen im Kornfeld macht

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Nachdem er die britische Premierministerin Theresa May gleich zweimal zum Parteitag hart wegen ihres Brexit-Kurses angegriffen hat, legte er nun mit einem fiesen Spaß auf ihre Kosten nach.

Meine Botschaft an meine Partei ist, lasst uns zusammenkommen und das beste Abkommen für Großbritannien erzielen. Doch neueste Meinungsumfragen zeigen, dass sie mit ihrem Kurs dennoch auf die Unterstützung einer Mehrheit der Tory-Wähler zählen dürfte. Seine Wortwahl war auch innerhalb der eigenen Partei umstritten.

Anders als die Premierministerin habe ich dafür gekämpft, daran geglaubt, ich denke, es ist die richtige Sache für unser Land und ich denke, dass was gerade passiert, ist - leider - nicht was den Leuten in 2016 versprochen wurde.
Mays Pläne seien "geistesgestört". Zugleich bezifferte er die Wahrscheinlichkeit, dass die Regierung mit der EU noch ein Abkommen erziele, mit 80 bis 90 Prozent. Mehrere Parteimitglieder sahen das Interview als Johnsons Start einer Kampagne, May abzulösen.

Die Lektion sei klar: "Wenn Ihr den EU-Club in ein Gefängnis verwandelt, wird der Wunsch auszutreten, nicht abnehmen; er wird zunehmen, und wir werden nicht der einzige Gefangene sein, der fliehen will", sagte der sonst für seinen gemäßigten Ton bekannte Außenminister, der als ein möglicher Nachfolger für Premierministerin Theresa May gilt. Bereits gegenüber dem "Daily Telegraph" hatte er Mays Brexit-Strategie als "moralische und intellektuelle Erniedrigung" Großbritanniens bezeichnet. Ex-Außenminister Boris Johnson, der am Freitag einen eigenen Plan für den Austritt des Landes aus der Europäischen Union vorgelegt hatte, nannte ihre Pläne "gestört". Dafür soll sich Großbritannien eng an Produktstandards und andere Regeln des EU-Binnenmarkts halten. Sein Ziel ist ein "Super-Kanada-Handelsabkommen" mit der EU. mehr.

Die Tories sind wegen des Brexit tief gespalten.

Der viertägige Parteitag der Konservativen beginnt an diesem Sonntagnachmittag. In seiner Zeit als Londoner Bürgermeister habe Johnson zwar ein System für Leihfahrräder geschaffen, sonst aber keine nachhaltigen politischen Erfolge vorzuweisen.

Doch auch von einem Pro-Europäer in der Partei kommt die Drohung einer "höflichen Rebellion".

Die Premierministerin will eine Freihandelszone mit der Europäischen Union für Waren, aber nicht für Dienstleistungen wie Bankgeschäfte. Sie habe einen langfristigen Job zu erledigen, sagte sie der "Sunday Times". Johnson war im Juli - ebenso wie der damalige Brexit-Minister David Davis - aus Protest gegen Mays Pläne von seinem Amt zurückgetreten. May rief zur Einigkeit der Partei auf.

Laut einer wissenschaftlichen Studie des Centre for European Reform hat das Votum der Briten für einen EU-Austritt des Landes den Staat bisher 500 Millionen Pfund (563,51 Millionen Euro) pro Woche gekostet. Damit würden die Einsparungen durch künftig wegfallende Zahlungen an die EU zurzeit wieder zunichtegemacht. Am 29. März 2019 wird Großbritannien die EU verlassen. Auch bei den 27 EU-Partnern und der EU-Kommission stoßen Mays Pläne auf Ablehnung. Vom Verlauf des viertägigen Parteitags könnte daher auch Mays politisches Schicksal abhängen. Sechs Monate vor dem angepeilten EU-Austrittstermin stocken daher die Verhandlungen über ein Brexit-Abkommen.

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