Indonesien: Kritik an Tsunami-Frühwarnsystem

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Auf der indonesischen Insel Sulawesi ist die Küstenstadt Palu nach einem starken Erdbeben von einem Tsunami getroffen worden. Es gibt mehrere Tote.

Die Zahl der Todesopfer nach der Tsunami-Katastrophe in Sulawesi, Indonesiens viertgrößte Insel, hat sich nach örtlichen Medienberichten auf mehr als 1.200 erhöht.

Der zweite Erdstoß löste eine Meereswelle aus, die über die Küste der Inselhauptstadt Palu hereinbrach. In den Ruinen der Häuser und im Schlamm wurden noch Dutzende vermisst, auch fünf Ausländer. Viele Anwohner gerieten in Panik. Betroffen sind aber auch zahlreiche andere Gemeinden entlang von Sulawesis Westküste. Genauere Angaben machte sie nicht. Auch eine Shopping Mall und eine Moschee nahmen schweren Schaden. Es soll auch Plünderungen verhindern, die den Überlebenden unter anderem durch mehrere Hundert Verbrecher drohen, die entkamen, als Mauern eines Gefängnisses mit etwa 560 Insassen einstürzten. Dort hatte ein Erdbeben der Stärke 7,5 eine bis zu sechs Meter hohe Flutwelle ausgelöst. "Wir geben alles. Aber wir kriegen die Leute nicht raus", sagt einer der Retter namens Novri dem Sender Metro TV. "Ich bin einfach gerannt, als ich die Wellen auf die Häuser an der Küste treffen sah", sagte ein Einwohner. Der Augenzeuge Dio Abdullah sagte: "Ich hatte große Angst, als ich die Wellen auf mich zukommen sah". "Wir brauchen Lebensmittel, uns bleibt keine andere Wahl", sagte ein Einwohner von Palu, während er seinen Korb mit Waren aus einem leerstehenden Laden füllte. Es sei schwierig, schweres Gerät in die Gegend zu bringen, weil viele Straßen zerstört seien.

Tausende von Häusern, Kliniken, Einkaufszentren und Hotels seien in Palu eingestürzt, sagte ein Sprecher des indonesischen Katastrophenschutzes. Das Herz des indonesischen Tsunami-Frühwarnsystems ist heute ein Netz aus 134 Pegelmessstationen, unterstützt von Seismografen an Land, Sirenen an 55 Orten und einem System, das die Menschen per SMS warnt.

Immer noch hat niemand eine Ahnung, wie groß das Ausmaß dieser Katastrophe ist. Die 350.000-Einwohner-Stadt liegt an der Westküste von Sulawesi, einer der größten indonesischen Inseln. Die Lage war auch nach Mitternacht noch sehr unübersichtlich. Inzwischen wurde das Militär in die Region entsandt, um die Ruinen beiseite zu schaffen, aus denen Medienberichten nach Hilferufe zu hören sind. Die Leiterin der zuständigen Agentur für Meteorologie, Klima und Geophysik (BMKG) rechtfertigte den Entscheid, die ausgerufene Tsunami-Warnung am Freitagabend nach einer halben Stunde wieder aufzuheben. Zuvor hatte schon ein Beben der Stärke 5,9 die Insel erschüttert.

Erst im August kamen bei einer Reihe von grösseren Erschütterungen mehr als 500 Menschen auf der Touristeninsel Lombok ums Leben. Tatsächlich liegt Indonesien in einer der katastrophengefährdetsten Regionen der Welt, die sowohl den Pazifischen Feuerring als auch seismische Verwerfungen im Indischen Ozean umfasst. Das Zentrum des Bebens war von dort nur 20 Kilometer entfernt.

Bei der Naturkatastrophe auf Sulawesi kamen mehr als 840 Menschen ums Leben. Auch Vulkanausbrüche sind in Indonesien keine Seltenheit. Die Suche nach den Häftlingen habe keine Priorität, weil die Behörden mit den Rettungsarbeiten nach dem Erdbeben und dem Tsunami vom Freitag ausgelastet seien. In flachen Küstengewässern und engen Buchten können sich die Wassermassen dann zehn Meter und höher auftürmen. Die Wellen können in flachen Gebieten kilometerweit ins Hinterland fließen und schwere Schäden anrichten.

Nach einem heftigen Erdbeben folgte im März 2011 auch in Japan ein Tsunami. Dabei sind Hunderte Menschen gestorben.

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