Medizin-Nobelpreis für zwei Krebsforscher

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Der US-Amerikaner James Allison und der Japaner Tasuku Honjo haben zur Entwicklung von Krebstherapien das Immunsystem zuhilfe genommen. Entsprechende Wirkstoffe verhindern, dass sich die Tumorzellen vor dem Immunsystem verstecken können - und liefern sie damit der körpereigenen "Immunpolizei" aus.

Durch die Entdeckungen der beiden Wissenschaftler gelingt es Ärzten bei manchen Tumorarten inzwischen, die natürlichen Bremsen des Immunsystems zu lösen und es auf die Krebszellen loszulassen. Gleichzeitig fehlt den Naturwissenschaften weiblicher Nachwuchs. Kommentar von Patrick Illinger mehr.

Viele Tumoren entgehen dem wachsamen Immunsystem, weil dieses vor allem zwischen "körpereigen" und "fremd" unterscheidet, um Bakterien, Viren und andere Krankheitserreger effektiv abzuwehren. "Die Immuncheckpoint-Blockade stellte erstmals auf diesem Gebiet einen Durchbruch dar und ist rasch zu einem Behandlungsprinzip - zunächst bei Melanom, dann bei Lungenkrebs, Nierenzellkarzinomen und anderen Krebserkrankungen - geworden", sagte Matthias Preusser, nunmehr Professor für Internistische Onkologie von MedUni Wien/AKH, gegenüber der Austria Presse Agentur.

In den 1990er Jahren untersuchte Allsons Arbeitsgruppe an der University of California in Berkeley ein Protein, das für die T-Zellen typisch ist, genannt CTLA-4.

1994 begannen Allison und seine Mitarbeiter Substanzen zu erproben, die das Brems-Molekül des Immunsystems ausschalten. Dies zeigten die Forscher 1996 in einem ersten Experiment mit Mäusen, die schwarzen Hautkrebs hatten. Bei manchen Patienten verschwand der Krebs vollständig. Die Arbeiten des 1942 geborenen Tasuku Honjo von der Universität Kyoto erlaubten, auch PD-1 ins Visier zu nehmen: einen Kontrollpunkt, der T-Zellen dazu bringt, sich selbst zu zerstören. Es kostete ihn mehrere Jahre Laborarbeit, bis er herausgefunden hatte, dass auch dieses Protein wie eine Bremse funktioniert. "Die Ergebnisse zeigten, dass PD-1 - ganz ähnlich wie CTLA-4 - als Hemmschuh für die T-Zellen wirkt", merkte das Nobelpreiskomitee an.

Im Kampf gegen Krebs haben Forscher einen wirksamen Mechanismus entwickelt und dafür den Medizin-Nobelpreis erhalten. Die "Checkpoint-Therapie" habe die Krebstherapie nun aber "revolutioniert".

James Allison ist 70 Jahre alt und leitet die Immunologie am MD Anderson Cancer Center der University of Texas in Houston. Die Entdeckung der beiden Mediziner nutze die Fähigkeit des Immunsystems, Krebszellen zu bekämpfen, indem die Bremsen der Immunzellen gelöst werden.

Die Nobelpreise werden seit 1901 vergeben.

Die höchste Auszeichnung für Wissenschafter ist mit 9 Millionen schwedischen Kronen dotiert, das entspricht umgerechnet fast einer Million Schweizerfranken. Neben drei naturwissenschaftlichen Preisen für Neuerungen in der Physik, Chemie und Medizin gibt es den Friedensnobelpreis, der auch an Organisationen verliehen werden kann, sowie den Preis für Wirtschaftswissenschaften.

Der Medizinnobelpreis wird wie alle anderen wissenschaftlichen Nobelpreise am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel, in Stockholm überreicht.

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