Medizin-Nobelpreis für "Durchbruch" in Krebs-Therapie

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Zumeist aber werden sie derzeit noch angewendet, wenn eine Chemotherapie oder eine zielgerichtete medikamentöse Behandlung ihren Effekt eingebüßt bzw. ein Rückfall erfolgt ist. Er sei bei ihr gewesen, als sie starb, berichtet er. Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist in diesem Jahr mit umgerechnet 870 000 Euro (9 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Diese Therapie durch sogenannte Checkpoint-Inhibitoren habe die Krebsbehandlung "revolutioniert", heißt es in der Begründung aus Stockholm.

Sie werden für die Erforschung von Immun-Krebstherapien geehrt, wie die Schwedische Akademie mitteilte. Der "klassische "T-Zell-Rezeptor wechselwirkt mit einem Antigen-präsentierenden Molekül einer anderen Zelle und identifiziert so das mögliche Ziel". Eine Gruppe der weißen Blutkörperchen, die T-Zellen, spielen eine Schlüsselrolle in der Abwehr, weil sie in der Lage sind, Körperfremdes zu erkennen und so die Attacke einleiten.

Doch wie lassen sich diese Erkenntnisse in die Therapie umsetzen? Dazu musste zunächst das komplizierte Zusammenspiel zwischen Hemmung und Aktivierung geklärt werden. Allison und Honjo hatten entdeckt, dass bestimmte Proteine als eine Art Bremse auf das Immunsystem wirken und dieses von der Bekämpfung von Tumorzellen abhalten.

Die Arbeitsgruppe um James P. Allison allerdings wollte genau das Gegenteil. CTLA-4 sitzt auf der Oberfläche von spezialisierten Immunzellen. Er zeigte 1996, dass sich durch Aufhebung der Bremse krebskranke Mäuse von Tumoren heilen lassen. Dafür bekommen zwei Forscher nun den Medizin-Nobelpreis.

Im Jahr 2005 erreichten Honjo und sein Team schließlich den gleichen Punkt wie schon zuvor Allison bei CTLA4: In Experimenten an Mäusen ließ ein Antikörper gegen PD1 Tumore schrumpfen.

Zudem gibt es Proteine, die bremsend auf die Immunzellen einwirken. Auch in Japan zeigte sich bald, dass sich mit PD-1 erfolgreich Krebs behandeln lässt.

Eine dieser Bremsen des Immunsystems wurde Anfang der 1990er-Jahre entdeckt.

James Allison (im Bild) und sein Kollege Tasuku Honjo dürfen sich über die Auszeichnung freuen.

"Patienten haben mit Hilfe der Therapie etwa bei metastasierendem Schwarzen Hautkrebs eine Immunität gegen den eigenen Tumor entwickelt", sagt Hans Reimer Rodewald vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Wenig später erwies sich diese Antikörpertherapie auch beim Menschen als wirksam gegen das maligne Melanom – den schwarzen Hautkrebs.

Auch die Japaner können mit ihrem Protein PD-1 bemerkenswerte Erfolge vorweisen. "Die Immuncheckpoint-Blockade stellte erstmals auf diesem Gebiet einen Durchbruch dar und ist rasch zu einem Behandlungsprinzip - zunächst bei Melanom, dann bei Lungenkrebs, Nierenzellkarzinomen und anderen Krebserkrankungen - geworden", sagte Matthias Preusser, nunmehr Professor für Internistische Onkologie von MedUni Wien/AKH, gegenüber der Austria Presse Agentur. "Sind die Patienten früher innerhalb weniger Monate gestorben, überleben einige von ihnen heute fünf Jahre und länger". Dieser CTLA-4-Rezeptor wirkt als Bremse für die Abwehrzellen, das war damals schon bekannt. Bei manchen Krebserkrankungen lagen die Erfolgsraten drei Jahre nach der Behandlung bei mehr als 60 Prozent. Patienten wurden absichtlich mit Bakterien infiziert, um eine Entzündungsreaktion zu provozieren, die sich auch gegen Krebszellen richtet. Und wie bei anderen Tumorbehandlungen auch kann es bei der Immuntherapie zu gravierenden Nebenwirkungen kommen.

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