Trump: Könnte meine Meinung mit Blick auf Richter-Kandidaten ändern [1:19]

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Wer sagt die Wahrheit? Bei ihrer Aussage kämpft die Psychologie-Professorin Blasey Ford mit den Tränen. Die Anhörung der ersten Belastungszeugin werde aber wie geplant morgen stattfinden. Eine Frau wird von einem Polizisten abgeführt. Ein Ja ist fraglich, weil bereits in der vergangenen Woche die Psychologin Christine Blasey Ford Kavanaugh vorgeworfen hat, sie vor mehr als drei Jahrzehnten während einer Feier auf ein Bett gedrückt, sie angefasst und versucht zu haben, sie auszuziehen. Für die Republikaner sitzen nur Männer im Justizausschuss.

Die ganze Geschichte dazu und warum dieses Hearing heute historisch werden könnte, lesen Sie hier. "Ich habe große Angst", sagte sie gleich zu Beginn ihrer vierstündigen Aussage. Zwischendurch gerät ihre Stimme immer wieder ins Stocken, ihre Lippen beben, sie unterdrückt ein Weinen. Es ist ein wütender und tränenreicher Ausbruch des sonst so kontrollierten Richters. Eine von ihnen schildert nun vor einem Senatsausschuss ihre traumatischen Erlebnisse. Sie forderten, angesichts der schweren Vorwürfe gegen Kavanaugh zunächst weitere Zeugen anzuhören, scheiterten damit aber und kritisierten das Vorgehen der Republikaner scharf. Beide Seiten liefern sich seit Tagen eine Schlammschlacht um die Personalie.

Gemäss den Anschuldigungen hatte Kavanaugh an diesen feuchtfröhlichen Partys regelmässig so viel getrunken, dass er die Besinnung oder die Beherrschung verlor, und sich gegenüber weiblichen Gästen überaus aggressiv verhalten. Der republikanische Senator Lindsey Graham warf den Demokraten deshalb in einem hochemotionalen Einwurf taktische Verzögerung mit unmoralischen Mitteln vor. Eine Kamera ist durchgehend auf sie gerichtet. Ihre Befragung wurde am TV live übertragen.

Später, in der anschließenden Befragung, betonen mehrere Senatoren, dass Ford nicht nur in das Nominierungsverfahren für Kavanaugh eingreift, sondern dass sie auch tausenden Frauen und Männern, die Opfer sexueller Gewalt wurden, eine neue Stärke verleiht, Anklage zu erheben. Sie habe sich befreien und flüchten können.

Was in jenem Sommer vor 36 Jahren genau passiert ist, wird sich wohl nicht genau herausfinden lassen. Auf die Nachfragen antwortet sie sortiert, souverän, lächelt zwischendurch.

Eine halbe Stunde nach Fords Auftritt tritt Brett Kavanaugh vor den Ausschuss. Ford weist das vor dem Ausschuss mehrfach zurück. Sie sei "zu einhundert Prozent" sicher, dass Brett Kavanaugh sie damals bedrängt habe. Mehrere demokratische Senatoren verliessen aus Protest gegen das Vorgehen der Republikaner die laufende Ausschusssitzung. Sie haben dafür eine Staatsanwältin aus Arizona engagiert, die auf Sexualstraftaten spezialisiert ist. Diese Frauen seien danach in angrenzenden Zimmern missbraucht worden. "Der koordinierte Versuch, meinen Ruf zu zerstören, wird mich nicht vertreiben".

Alle elf republikanischen Ausschussmitglieder stimmten für den Wunschkandidaten von US-Präsident Donald Trump, die zehn demokratischen Mitglieder stimmten geschlossen gegen den erzkonservativen Juristen. Für sie ist das Verfahren eine entscheidend für die weitere Entwicklung der amerikanischen Gesellschaft.

Kavanaugh war im Juli von Trump für den freien Posten am Obersten Gericht der USA nominiert worden. Kavanaugh habe einen herausragenden Intellekt, sagte Trump am Mittwoch. Auch für den Präsidenten geht es um viel.

Allerdings hatte Trump zuvor in New York die Anschuldigungen erneut massiv in Zweifel gezogen.

Noch am Vorabend hatte Donald Trump am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen spontan eine Pressekonferenz einberufen, um einmal mehr seine Unterstützung für Kavanaugh herauszustreichen, der ihm auf Jahre die konservative Mehrheit im "Supreme Court" sichern soll.

Es ist ungewöhnlich, dass ein Richterkandidat für den Obersten Gerichtshof Interviews gibt. Denn Kavanaugh ist erst 53-jährig und würde auf Lebenszeit gewählt. Dabei wäre in Sachen Kavanaugh und Ford immer noch genauso viel zu klären wie vor diesem denkwürdigen Tag. Stattdessen teilt Kavanaugh heftig aus.

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