Abbau von documenta-Obelisk: Künstler und Stadt schweigen

Einstellen Kommentar Drucken

Die AfD sprach derweil sogar von "entstellter Kunst" und wollte gegen den afrikanischen Künstler demonstrieren, wovon sie dann aber doch kurz vor dessen Besuch in Kassel Abstand nahm.

Nach monatelangem Streit hat die Stadt Kassel das documenta-Kunstwerk Obelisk von seinem Standort entfernen lassen.

Die Stadt hatte das Kunstwerk am Mittwoch bei einer Nacht-und-Nebel-Aktion vom Königsplatz in der Innenstadt entfernt und die 16 Meter hohe Steinsäule erst einmal auf einem Bauhof eingelagert. Die Stadt wollte die Skulptur zwar kaufen, den Obelisken aber an einen anderen Standort verlegen. Sie findet alle fünf Jahre in Kassel statt und dauert exakt 100 Tage - 2017 war es die "Documenta 14". Die Stadt respektiere die Haltung des Künstlers, so die Pressemitteilung, "der auch in seiner jüngsten öffentlichen Stellungnahme betont hat, dass er sein Kunstwerk explizit für den Königsplatz geschaffen habe". Dem war ein Beschluss der Kasseler Stadtverordnetenversammlung vorangegangen, in dem eine breite Mehrheit dafür votiert hatte, dass das Kunstwerk vom Königsplatz verschwinden muss, um den Platz für zukünftige Nutzungen freizuhalten. Arbeiter rückten mit großen Kränen an und transportierten den Obelisken in mehreren Einzelteilen ab. Die Entscheidung, was künftig mit dem Kunstwerk geschehen soll, obliegt dem Künstler. Das Werk werde sicher verwahrt. Die Stadt sei auch weiter offen für Gespräche.

Dass der Abbau für das Verhältnis zwischen Künstler und Stadt schwerwiegende Folgen hat, glaubt der Vorsitzende des sogenannten Documenta-Forums in Kassel, Jörg Sperling. Oft sind es Publikumslieblinge, die über Spenden angekauft werden. Die Kulturdezernentin von Kassel, Susanne Völker, die sich vehement für einen Ankauf einsetzte, rief im Februar 2018 schließlich die Bürgerschaft zu einer Spendenaktion auf, die 126.000 Euro erbrachte. Da es keine Einigung gebe, werde die Rückzahlung des Geldes veranlasst, erklärte die Stadt.

Comments