Seitenhieb vom Vorbild für von Donnersmarcks "Werk ohne Autor"

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"Sieh nicht weg!" hatte die Tante den kleinen Neffen stets aufgefordert. Von daher hatten Leute, die ihn kennen, bereits Zweifel geäußert, dass ihm der an sein Leben angelehnte Film des deutschen Oscar-Preisträgers Florian Henckel von Donnersmarck gefallen werde. Die grausame Realität dahinter bleibt sichtbar, aber ihre Konturen verschwimmen.

Tom Schilling spielt den jungen Künstler Kurt. Nach dem kometenhaften Aufstieg mit seinem oscarprämierten Debüt "Das Leben der Anderen" (2006) und dem enttäuschenden US-Debüt "The Tourist" (2010) wurde es lange Zeit still um den deutschen Regiestar, der nun von der filmförderungsfreundlichen Heimat aus sein Karriere-Relaunch startet.

Angelehnt an das Leben von Gerhard Richter muss Kurt in jungen Jahren ansehen, wie seine Tante Marianne wegen Shizophrenie in eine Klinik gesteckt und später von den Nazis ermordet wird. Der Film beginnt mit einem Rundgang durch die NS-Ausstellung "Entartete Kunst". Donnersmarck holt unterlegt mit schwülstigen Orchestertönen zu einer Parallelmontage aus, die die Ermordung im KZ mit der Bombardierung Dresdens und dem Tod von Kurts Bruder auf dem Schlachtfeld nebeneinander schneidet. Dass er mit dieser visuellen Gleichstellung von Vernichtungslagern und Alliiertenbombardierung ein beliebtes rechtsextremistisches Argumentationsmuster bedient, scheint dem Regisseur im Rausch der Inszenierung gar nicht bewusst zu sein.

Donnersmarck hat Höheres im Sinn. Sein Name kommt darin an keiner Stelle vor: Der von Tom Schilling verkörperte Maler heißt Kurt Barnert. In weiteren Rollen sind Sebastian Koch und Paula Beer zu sehen.

Bald schon flüchten beide in den Westen, wo an der Düsseldorfer Kunsthochschule die Avantgarde fröhliche Feste feiert. Die Tante prägt den Jungen und bringt ihn zur Malerei.

Donnersmarcks dritter, sehr abendfüllender Spielfilm kommt fast in jeder Szene mit dem Gestus und der technischen Perfektion eines Meisterwerkes daher, womit die Schlichtheit so mancher Erkenntnis nicht ohne Geschick übermalt wird. "Ich wollte ein eigenständiges Kunstwerk schaffen, und das musste interessanter und spannender sein als die Wahrheit".

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