Hambacher Forst: Polizei zieht sich zurück - Aktivisten bauen neue Baumhäuser

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Bis Dienstag der vergangenen Woche hatte die Polizei mit Millionenaufwand im Hambacher Forst 86 Baumhäuser geräumt und abgebaut. Nach dem gerichtlich verhängten Rodungsstopp haben sämtliche Polizisten den Wald verlassen. Die Veranstalter sprachen von 50.000 Teilnehmern, die Polizei - die meist niedriger schätzt - wollte keine Angaben machen. Das Verwaltungsgericht Aachen hob das Verbot jedoch am Freitag auf.

Etwa 100 Aktivisten drangen auch in den Tagebau vor. Der Energiekonzern RWE hatte dort einen Großteil des verbliebenen Waldes abholzen wollen, um Braunkohle zu fördern. Angeblich ist ansonsten die Stromversorgung in Deutschland nicht mehr gewährleistet.

Der gerichtlich verfügte Rodungsstopp sei "Rückenwind für die Arbeit in der Kohlekommission", sagte Greenpeace-Chef Martin Kaiser, der selbst Mitglied der Kohlekommission ist. "Wir haben in den letzten Wochen und Monaten einen friedlichen und bürgerlichen Protest gesehen, der immer größer wurde". "Die Menschen protestieren gegen Konzerne wie RWE, die ihre wirtschaftlichen Interessen mit Hilfe der Politik gegen den mehrheitlichen Willen des Volkes durchsetzen wollen". Die NRW-Landesregierung habe den Konflikt "eigentlich noch geschürt, anstatt ihn zu moderieren und eine tragfähige Lösung zu finden", sagte Kaiser der Deutschen Presse-Agentur. Einige Protestierende kamen auch schon mit Holzhütten zur Demonstration. Mit der Entscheidung des Gerichts sei "die Rodung des Hambacher Forstes mindestens für die kommenden zwei Jahre vom Tisch", teilte er am Sonntagnachmittag mit. Landeschefin Mona Neubaur bezeichnete die Demo vom Vortag als ein "unübersehbares Signal für entschlossene Klimaschutzpolitik". "Man muss jetzt den Übergang gestalten", sagte Neubaur. Nach Einschätzung von RWE könnte das möglicherweise bis Ende 2020 dauern. Das Unternehmen rechnet deshalb jährlich mit hohen Millionenverlusten. Der BUND hatte argumentiert, dass der Wald mit seinem Bechsteinfledermaus-Vorkommen die Qualitäten eines europäischen FFH-Schutzgebietes habe und deshalb geschützt werden müsse.

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