Mehr Jets, Crews, Fluglotsen: Luftfahrt-Gipfel beschließt 25 Maßnahmen gegen Flugausfälle

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Beim Luftfahrt-Gipfel in Hamburg haben Vertreter aus Wirtschaft und Politik am Freitag eine Reihe von Maßnahmen gegen Verspätungen und Streichungen beschlossen.

Die Abschlusserklärung für den Luftfahrt-Gipfel wird gegenwärtig zwischen den Teilnehmern aus Politik und Wirtschaft abgestimmt und am Freitag nach dem Treffen veröffentlicht. Der Rechtsexperte und stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion Stephan Thomae sagte: "Der Fluggipfel ist ein reiner Schauprozess im Landtagswahlkampf, der über die Versäumnisse der Bundesregierung in den letzten Jahren hinwegtäuschen soll".

Dies gilt unter zwei Bedingungen: Die Flugstreichung oder Verspätung darf nicht auf einen außergewöhnlichen Umstand wie zum Beispiel eine Flughafensperrung zurückgehen. Das System der Sicherheitskontrollen soll auf den Prüfstand, um die Kontrollen effizienter zu gestalten. Passagiere sollen zudem früher und genauer über Ausfälle und Verspätungen unterrichtet werden. Airlines sollen verspätete Flüge schneller abfertigen, Lufthansa und Eurowings wollen Flugpläne entzerren. An dem Treffen nehmen neben dem Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Scheuer der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der Chef des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) und der Deutschen Flugsicherun, g Klaus-Dieter Scheurle, der Lufthansa -Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr und der Chef des Frankfurter Flughafens, Stefan Schulte, teil. Die Lufthansa habe in diesem Sommer rund 250 Millionen Euro für Zahlungen an die Passagiere ausgegeben und sei bereit, die gleiche Summe zu investieren.

Bund und Länder wollen laut Abschlusserklärung außerdem dafür sorgen, dass mehr Fluglotsen ausgebildet werden und diejenigen, die in der Flugsicherung arbeiten, von Sonderaufgaben entlastet werden. Informationen zu Beschwerden, Entschädigung und Schlichtung sollen die Fluggäste übersichtlich online finden können.

Der Gipfel fordert auch, dass Passagiere bei Verspätungen besser informiert werden. Sie sollen zudem freiwillige Überstunden machen können. Flugzeuge sollen öfter auch in niedrigen Flughöhen fliegen, um Staus am Himmel zu vermeiden. Sie sollen die Möglichkeit mehr nutzen, unbeabsichtigt unbegleitetes Gepäck nicht zu entladen, um das ganze Entladen zu beschleunigen. Der Bund wird sich für eine bessere europäische Zusammenarbeit einsetzen. So könnte die Personalplanung und Struktur der Flugsicherung in Europa auf EU-Ebene neu geregelt werden. Bislang ist die Bundespolizei für die Personenkontrollen zuständig, die wiederum private Dienstleister beauftragt.

Die von Verbraucherschützern und Politikern geforderte Stärkung von Fluggastrechten stand nicht im Mittelpunkt des Gipfels. "Mir geht es darum, bei den Entschädigungsverfahren zu schnellen und guten Lösungen für die Kundinnen und Kunden der Airlines zu kommen", sagte die SPD-Politikerin.

In diesem Jahr und besonders in der Hauptreisezeit im Sommer mussten die Fluggesellschaften wegen Sicherheitspannen, Streiks und Personalmangels Hunderte Flüge streichen. Viele Maschinen starteten und landeten mit Verspätungen. Die Zahl der Betroffenen lag deutlich höher als im Vorjahr.

Eingeladen zu dem Gipfel hatte Hamburg, das derzeit den Vorsitz der Verkehrsministerkonferenz hat. Denn die Probleme, sagt Verkehrsminister Scheuer, seien nicht allein in Deutschland zu lösen. "Ich werde es nicht akzeptieren, dass es nochmals zu einer derartigen Anhäufung von technischen Problemen, Verspätungen und Abfertigungsproblemen kommt", sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Das gilt auch dann, wenn das Unternehmen nicht für die Verspätungen und Ausfälle verantwortlich ist. Scheuer kündigte ein Folgetreffen vor dem Sommerflugplan im März kommenden Jahres an.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Oktober 2018 um 07:00 Uhr.

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