Datenpanne: Online-Netzwerk Google Plus schließt für Verbraucher

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Als Ergebnis dieser Untersuchung hat sich das Unternehmen entschieden, das soziale Netzwerk für Verbraucher zu schließen. Google behielt das ein halbes Jahr für sich, schloss aber mittlerweile die Lücke. Es bestünden "erhebliche Schwierigkeiten", das Netzwerk entsprechend der Erwartungen der Nutzer an Datenschutz und Privatsphäre zu gestalten, schreibt Google-Manager Ben Smith in einem Blogbeitrag für Entwickler. Google habe zwar keine Hinweise auf einen Datenmissbrauch, aber auch nicht genug Informationen, um ihn vollständig auszuschließen, zitiert das Blatt aus den Unterlagen. Dadurch hätten Drittanbieter Zugang zu Namen, Geschlecht, Alter, Beruf und E-Mail-Adresse der Nutzer gehabt.

Die Lücke habe aber bereits seit 2015 bestanden, berichtete das "Wall Street Journal" kurz davor unter Berufung auf interne Unterlagen des Internet-Konzerns. Zudem müssen Entwickler sich einer stärkeren, erneuten Kontrolle unterziehen und einwilligen, die Daten nicht zu Werbezwecken, Marktforschung oder anderen nicht mit dem Dienst verbundenen Zwecken zu nutzen.

Google Plus hatte ein Datenleck. Ein Grund sei die Sorge vor erhöhter Aufmerksamkeit der Regulierungsbehörden gewesen - die Google jetzt gewiss sein dürfte. Google gehe davon aus, dass wahrscheinlich bis zu 500.000 Nutzer betroffen sein könnten. Google selbst sagt, das Datenleck im Rahmen der "Project Strobe" genannten Bemühungen gefunden zu haben, bei denen man untersucht hat, welchen Zugriff Drittentwickler durch Apps auf das Google-Konto und die Android-Gerätedaten haben. So würden 90 Prozent der Interaktionen weniger als fünf Sekunden dauern.

Die Abschaltung von Google+ soll im August 2019 abgeschlossen sein. Damit gesteht Google auch offiziell die bereits klare Niederlage im Wettbewerb der Online-Netzwerke mit Facebook ein.

Größere Auswirkungen für Verbraucher dürften die Änderungen beim Mobil-Betriebssystem Android haben, das auf Geräten von Hunderten Millionen Menschen läuft. Die Nutzer werden präziser bestimmen können, welche Daten sie mit einer App teilen wollen, wie Google ankündigte. Grundsätzlich würden weniger Apps Zugriff auf Anruflisten und SMS-Daten bekommen. Durch Googles Geschäft mit Werbung in ihrer Suchmaschine sowie Diensten wie Gmail und dem Videoportal YouTube bringen solche Rückschläge das Unternehmen jedoch kaum aus dem Gleichgewicht. Das "Wall Street Journal" hatte im Sommer berichtet, App-Entwickler verwendeten zum Teil E-Mails von Nutzern, um Algorithmen etwa für automatische Antworten zu trainieren.

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