Türkei erhöht den Druck - Fall Chaschukdschi: Saudis sprechen von "makabren Gerüchten"

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Der 59 Jahre alte Journalist und Regimekritiker Chaschukdschi wird seit fast einer Woche vermisst.

Khashoggi sei getötet und seine Leiche vermutlich zerteilt worden. Türkische Stellen behaupteten dagegen, sie hätten deutliche Hinweise darauf, dass die saudischen Behörden ein Todeskommando nach Istanbul entsandt hätten. Eine türkische Zeitung spricht von einem 15-köpfigen "Attentatsteam". Er verschwand Anfang Oktober im saudischen Konsulat in Istanbul, nachdem er zuvor den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman kritisiert hatte. Der Journalist habe das Konsulat wohlbehalten wieder verlassen, heißt es aus Riad.

Doch der internationale Druck auf Saudiarabien steigt. Die türkische Regierung betrachtet das Verschwinden Khashoggis nun als direkte Provokation; dass es eine Woche dauerte, bis sich Riad mit einer Durchsuchung des Konsulats einverstanden erklärte, sei, so ein türkischer Regierungssprecher, "eine Unverschämtheit". Der Verbleib des Journalisten müsse geklärt werden. "Sie sagen, dass die Anschuldigungen falsch sind. Wo also ist Herr Khashoggi?", so der "tief besorgte" Außenminister.

Auch US-Präsident Donald Trump zeigte sich beunruhigt. Er versuchte zwar - für seine Verhältnisse - sehr diplomatisch zu formulieren, denn immerhin gelten Saudiarabiens Machthaber als besonderere Freunde des US-Präsidenten.

Istanbul - Im Fall des in Istanbul verschwundenen und möglicherweise ermordeten saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi erhöht die Türkei den Druck. Khashoggis türkische Verlobte Hatice Cengiz hatte zuvor Trump um Hilfe gebeten.

Dem saudischen Thronfolgers, Kronprinz Mohammed bin Salman, wird von Beobachtern eine zunehmend aggressive Außenpolitik vorgeworfen. Danach ging er aber ins Exil und trat als scharfzüngiger Kritiker der saudischen Führung auf. Kaschoggi war im Vorjahr wegen seiner kritischen Berichterstattung ins Visier der saudi-arabischen Staatsmacht geraten und nach Washington geflohen. Die Männer reisten teilweise mit Diplomaten-Pässen ein, einige sollen Geheimdienstoffiziere sein.

Ob Mitglieder der US-Regierung die Aufnahmen begutachten konnten, ist noch unklar.

Nach Informationen von "Sabah" checkten die 15 Saudiaraber in zwei Luxushotels in Istanbul ein, kehrten jedoch noch am Abend über Dubai und Ägypten nach Saudi-Arabien zurück. Washington hat sich unter Trump auch die Vision des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanyahu zu eigen gemacht, wonach Saudiarabien helfen könnte, einen für Israel günstigen Nahostfrieden auszuhandeln.

Und vor allem regierungsnahe türkische Medien veröffentlichen ständig neue Ermittlungsergebnisse, bereitwillig weitergegeben von Polizeisprechern und Mitarbeitern des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan: Überwachungsvideos werden gezeigt, auf denen zu sehen ist, wie Khashoggi das Konsulat betritt; wie irgendwann eine Mercedes-Limousine mit abgedunkelten Scheiben das Gelände des Konsulats verlässt.

"Ist es möglich, dass es in einem Konsulat, in einer Botschaft kein Kamerasystem gibt?", fragte Erdogan laut der Zeitung "Hürriyet".

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