Studie: Deutsche machen vier Überstunden pro Woche

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Sicherheits- und Überwachungsberufe kamen auf im Schnitt sechs Überstunden, Vorgesetzte auf rund 4,9 Stunden. In vielen Branchen ist die Arbeitszeit sogar eher gesunken - zumindest auf dem Papier. De facto sind es jedoch laut einer Studie vier Stunden mehr.

Für die Arbeiterbewegung war es ein durchschlagender Erfolg: Vor 100 Jahren, im November 1918, wurde in Deutschland erstmals der achtstündige Arbeitstag eingeführt. Insgesamt veränderte sich die Zahl der Überstunden im Vergleich zur ersten Befragung 2015 demnach kaum.

Im Arbeitsalltag tatsächlich geleistet wurden laut dem Ergebnis der Befragung aber 38,7 Stunden.

Die Untersuchung zeige, dass die Menge der Arbeit häufig nicht in der dafür vorgesehenen Zeit zu schaffen sei, kritisierte die arbeitspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Müller-Gemmeke, in Berlin. Rechnet man die Teilzeitbeschäftigten mit ein, dann sind es noch immer rund vier Stunden pro Woche, die Arbeitnehmer mehr arbeiten, als sie eigentlich müssten. Ein weiterer Grund für zusätzliche Arbeit sind der Befragung zufolge "sonstige betriebliche Gründe" (32 Prozent), nur 15 Prozent gaben als Grund "Spaß an der Arbeit" an. "Da die Gruppe im Straßenverkehr mobil beschäftigt ist, können Fehler besonders weitreichende und teilweise tödliche Auswirkungen haben", heißt es in dem Bericht, aus dem die Funke Zeitungen zitierten.

Nach wie vor arbeitet der Studie zufolge ein Fünftel der Beschäftigten zu sogenannten atypischen Zeiten, etwa vor sieben Uhr oder nach 19 Uhr. Nach wie vor hätten Männer noch immer längere Arbeitszeiten als Frauen, die oft nur Teilzeit arbeiten. Auch jüngere Arbeitnehmer seien eher bereit, Überstunden zu machen als ältere. Und: Chefs arbeiten oft deutlich länger als ihre Mitarbeiter. Dabei spiele die Zahl der Untergebenen eine große Rolle, so die Studie weiter. Bei Chefs mit 21 Angestellten sind es im Schnitt 44,6 Stunden.

Positiv vermerkten die Autoren, dass es immer mehr Möglichkeiten gebe, die Arbeitszeit flexibel zu gestalten. Dadurch könnten Arbeitsbelastungen abgefedert und gesundheitlich negative Folgen reduziert werden. Kritisch zu sehen sei aber "die leichte Zunahme der ständigen Erreichbarkeit, insbesondere bei Personen mit einem niedrigen Bildungsniveau und bei Beschäftigten mit sehr langen Arbeitszeiten".

43 Prozent der Befragten gaben an, mindestens einmal pro Monat auch am Wochenende zu arbeiten. Für die Studie der in Dortmund ansässigen Behörde, die zum zweiten Mal veröffentlicht wird, wurden vor rund einem Jahr über mehrere Wochen hinweg fast 10.000 Arbeitnehmer befragt.

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