Tausende blockieren Kohle-Tagebau

Einstellen Kommentar Drucken

Nach rund 20-stündiger Blockade hat das Aktionsbündnis "Ende Gelände" eine Spontandemonstration angemeldet. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort. Sie warnt die Demonstranten vor Lebensgefahr: Im Tagebau komme es aktuell zu Erdrutschen an der Tagebaukante, teilte sie am frühen Nachmittag via Twitter mit. Zudem besetzten die Aktivisten einen Bagger des Energiekonzerns RWE. Nach Polizeiangaben waren rund 18 Menschen auf dem Gerät nahe der Ortschaft Morschenich, während die übrigen davor saßen. Ihnen drohe Strafverfolgung mindestens wegen Hausfriedensbruchs.

Die Polizei setzte Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein.

RWE kündigte an, die von den Braunkohle-Gegnern verübten Straftaten konsequent zur Anzeige zu bringen. Daher müssten die Personalien der Aktivisten festgestellt werden. Weil einige eine Polizeikette durchbrachen und über die Autobahn A4 liefen, musste diese mehrere Stunden gesperrt werden. Aktivisten hätten sich in Richtung der Autobahn begeben.

Die Polizei hat mit der Räumung der besetzten Gleise am Braunkohletagebau Hambach begonnen. Die Polizei sei mit Wasserwerfern gegen sie vorgegangen.

Gefährlich war die Situation nach Einschätzung von Polizei und RWE auch am Tagebaurand Hambach.

Nach Angaben der Polizei riefen Menschen aus der Region an und machten ihrem Unmut über Einschränkungen Luft. Die Personen wurden in Gewahrsam genommen, hieß es.

Durch ihre Aktion wurde auch das öffentliche Leben gestört: Eine Autobahn und ein Streckenabschnitt der Bahn waren stundenlang gesperrt, nachdem Aktivisten darüber gelaufen waren. Weitere etwa eintausend Aktivisten starteten demnach von einem Protestlager am Hambacher Wald in Manheim, weitere Gruppen hätten sich der Bewegung angeschlossen. Das Aktionsbündnis Ende Gelände hatte für Samstag erneut zu Protesten gegen den Braunkohle-Tagebau im Rheinischen Kohlerevier aufgerufen. Den meist jungen Aktivisten geht das nicht schnell genug: Sie wollten ein Zeichen setzen für den sofortigen Kohleausstieg und Klimagerechtigkeit.

Insgesamt beteiligten sich laut "Ende Gelände" rund 6500 Aktivisten an den Protesten.

Zeitgleich fand eine Solidaritätsdemo "Ende Gelände für die Kohle" in Buir statt. Sie besetzen einen Bagger, blockieren Straßen und Gleise. Es ist die Rede von der bisher größten "Massenaktion zivilen Ungehorsams der Klimagerechtigkeitsbewegung". Die Polizei bot sogar an, die Demonstranten mit Bussen wegzufahren.

Kerpen. Umweltaktivisten hatten für dieses Wochenende angekündigt, den Braunkohleabbau am Hambacher Forst massiv zu stören - das scheint ihnen zu gelingen.

Am Freitag hatten die Polizeikontrollen bei der Anreise von Kohlegegnern bereits das Aachener Verwaltungsgericht beschäftigt.

Die Staatsanwaltschaft habe gegen sie Ermittlungen wegen Landfriedensbruchs eingeleitet, teilte die Polizei mit. Dort waren Stunden zuvor mehr als tausend Teilnehmer eines Anti-Kohle-Protestcamps mit einem Sonderzug angekommen.

Comments