Islamisten in Pakistan beenden Proteste nach Einigung mit Regierung

Einstellen Kommentar Drucken

Auch entfernte Verwandte müssten sich in Sicherheit bringen: "Wenn Asia Bibi das Land verlässt, wird jeder Familienangehörige, jeder Mensch mit Verbindungen zu ihr, getötet werden". Nun haben sie sich mit der Regierung geeinigt: Ein Revisionsverfahren wird geprüft und Bibi muss im Land bleiben.

Nach dem Freispruch der wegen Gotteslästerung verurteilten Christin hat ihr Ehemann westliche Staaten um Asyl gebeten.

Die Anführer der Extremistenpartei Tehreek-e-Labaik Pakistan (TLP) beten während eines Protestes gegen die Freilassung der Christin Asia Bibi. Laut der Vereinbarung "wird die Regierung sich einem Revisionsantrag gegen die Entscheidung des Obersten Gerichts zum Freispruch Asia Bibis nicht widersetzen".

Asia Bibi war im Jahr 2010 wegen angeblicher Beleidigung des Propheten Mohammed zum Tode verurteilt worden. Nach der Aufhebung des Todesurteils hatte die TLP die Entlassung der Richter und eine Hinrichtung Bibis gefordert. Sie blockierte Straßen und Plätze; auf Weisung der Sicherheitsorgane wurden daraufhin regionale Mobilfunknetze abgeschaltet. Für die Kirchen des Landes wurden den Berichten zufolge die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Der Deutschen Welle hatte Masih zuvor in einem Interview gesagt, er fürchte um das Leben seiner Frau.

"Diese Übereinkunft hätte es niemals geben dürfen", sagte Bibis Ehemann Ashiq Masih. "Meine Töchter haben sich so danach gesehnt, sie frei zu sehen, aber die Berufung wird das Leid meiner Frau noch einmal verlängern". Die fünffache Mutter war 2009 festgenommen und im Jahr darauf nach einem Blasphemie-Gesetz zum Tode verurteilt worden.

Zum derzeitigen Aufenthaltsort Bibis gab es zunächst keine offiziellen Angaben. Örtliche Medienberichte deuteten aber an, sie sei möglicherweise bereits aus Pakistan geflohen.

Bibis Anwalt Saiful Malook hatte Pakistan bereits am Samstagmorgen verlassen, da er um sein Leben und das seiner Familie fürchte. Wilson Chowdhry vom Verband der christlichen Pakistanis in Großbritannien sagte AFP, die erste Erleichterung von Bibis Familie über die Aufhebung des Todesurteils habe sich inzwischen in Angst verwandelt. Um seine Mandantin vor Gericht zu verteidigen, werde er aber zurückkehren, wenn das Militär ihm Sicherheit gewähre.

Menschenrechtler kritisierten die getroffene Vereinbarung als "Bankrott-Erklärung des Rechtsstaates".

Pakistans Informationsminister Fawad Chaudry sagte der BBC, das Abkommen mit den Islamisten sei notwendig gewesen, "um die Situation gewaltlos zu lösen". Wenn das Oberste Gericht Recht gesprochen habe, dürfe die Regierung nicht zulassen, dass Islamisten die Rechtsprechung aushebelten, sagte der Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker, Ulrich Delius, in Göttingen.

Blasphemie gilt in Pakistan als Kapitalverbrechen.

Comments