Für zwei Drittel der Europäer war die Welt früher besser

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Zwei Drittel der Europäer sind einer Umfrage zufolge der Meinung, die Welt sei früher ein besserer Ort gewesen. Doch zweifeln auch fast zwei Drittel an dem Integrationswillen von Zuwanderern.

Die Europäer, die nostalgisch eingestellt sind, verorten sich selbst häufiger rechts der politischen Mitte als die Nichtnostalgiker. Das ist das Ergebnis einer Befragung von 10.885 EU-Bürgern in Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und Polen, die die Bertelsmann-Stiftung am Montag in Gütersloh veröffentlichte. Ja, sagen 67 Prozent in einer Bertelsmann-Umfrage in fünf EU-Staaten.

Bei Nicht-Nostalgikern sind die Zahlenwerte genau umgekehrt: Von ihnen sieht lediglich ein Drittel Einwanderer als Konkurrenten am Arbeitsmarkt.

Besonders nostalgisch sind die Italiener: Ganze 77 Prozent empfinden ihre jetzige Umwelt schlechter als früher. In Deutschland liegt der Anteil bei 51 Prozent. Sie seien in der Regel deutlich kritischer gegenüber dem Thema Einwanderung. Nur 45 Prozent glauben, dass "Einwanderung gut für die Wirtschaft" ist. Mehr als drei Viertel (78 Prozent) stimmten der Aussage zu, dass "Einwanderer sich nicht in die Gesellschaft integrieren möchten". Die Mehrheit der Nicht-Nostalgiker (58 Prozent) sieht sich eher links.

Unter den Jugendlichen sind die Italiener ebenfalls Nostalgie-Spitzenreiter: 64 Prozent sehen die Vergangenheit positiver.

Interessant ist auch ein Blick auf die Altersstruktur: Je älter die Befragten, desto eher seien sie nostalgisch eingestellt. Wer die Vergangenheit für besser als die Gegenwart hält, steht laut der Studie oft auch Einwanderung skeptisch gegenüber.

Männer sind nostalgischer als Frauen. Auffällig ist außerdem, dass über alle Altersgruppen hinweg Frauen (47 Prozent) die Vergangenheit seltener verklären als Männer (53 Prozent).

Wie sind die Ergebnisse einzuordnen?

Mitautorin Isabell Hoffmann: "Nostalgie ist auch ein Indiz für ein hohes Maß an Verunsicherung in der Gesellschaft". "Doch wenn Parteien Ängste und Unsicherheiten für ihre Wahlerfolge ausnutzen, um eine nie dagewesene goldene Vergangenheit zu beschwören, ist das fahrlässig".

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