Erstes Todesopfer nach Hauseinsturz in Marseille gefunden

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Zwei Häuser waren am Montag im Zentrum der südfranzösischen Hafenstadt eingestürzt.

Zwischen fünf und acht Menschen, die womöglich tot unter den Trümmern liegen, werden noch vermisst. Innenminister Castaner sagte bei einem Besuch im Marseille, er sei "wenig optimistisch", dass noch Überlebende gefunden würden, da es kaum Chancen auf Hohlräume in den Trümmern gebe.

Mindestens zwei Menschen sind beim Einsturz zweier baufälliger Wohn- und Geschäftshäuser im Zentrum von Marseille leicht verletzt worden. Der Wohnungsminister Julien Denormandie sprach vor der Presse von einem "Wettlauf gegen die Zeit". Die Suche nach möglichen Opfern wurde die ganze Nacht über fortgesetzt. Ein drittes einsturzgefährdetes Haus zerstörten die Einsatzkräfte am Montag.

Dutzende Anwohner anliegender Wohnungen wurden in Sicherheit gebracht. Die Feuerwehr hatte sich entschlossen, einen Bagger einzusetzen - dabei stürzte die Wand des dritten Hauses ein, das seit 2012 unbewohnt und abgesperrt war.

Unter den Vermissten befindet sich nach Angaben von Regionalpräsident Renaud Muselier eine Frau, die ihre Tochter nicht von der Schule abgeholt hatte, und eine weitere Frau, "die nie ihre Wohnung verließ". Im Einsatz waren mehr als 100 Feuerwehrmänner. Die Kriminalpolizei nahm Ermittlungen zu der Unfallursache auf. In einem der beiden Häuser sollen Menschen gewohnt haben. In dem anderen Gebäude, in dem Bauarbeiten anstanden, lebten Minister Denormandie zufolge rund zehn Menschen. Eines der Gebäude stand nach Angaben der Behörden leer, weil es baufällig war. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach den Betroffenen am Montagabend sein "Mitgefühl und die Solidarität der Nation" aus. Neben dem Schicksal von acht Hausbewohnern ist nach Behördenangaben auch das von zwei Passanten fraglich, die unmittelbar vor dem Unglück von einer Videokamera auf der Straße gefilmt worden waren.

Die Rettungskräfte suchten unter Hochdruck nach möglichen Überlebenden.

Mehrere Oppositionsvertreter monierten die Wohnungspolitik der Stadt. "Es sind die Häuser der Armen, die zusammenstürzen - und das ist kein Zufall", sagte etwa der führende Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon. Das berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft. Die Trümmer dieses Hauses drückten nach Castaners Worten die Überreste der ersten beiden eingestürzten Häuser zusammen.

Die Stadtverwaltung sieht das Unglück dagegen im Zusammenhang mit Unwettern: "Dieser dramatische Unfall könnte durch die schweren Regenfälle verursacht sein, die sich in den vergangenen Tagen über Marseille ergossen haben", ließ der 79-jährige Bürgermeister Jean-Claude Gaudin erklären. Mélenchon hat in Marseille seinen Wahlkreis.

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