Es wird ungemütlicher für US-Präsident Trump - Demokraten erobern wohl das Repräsentantenhaus

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Einen solchen Moment haben die US-Demokraten Anfang Oktober erlebt. Mehr nicht. Es hätte schlimmer für ihn kommen können, aber die blaue Welle eines demokratischen Durchmarsches ist, ebenso erwartungsgemäß, ausgeblieben. Während Progressive, wie die frisch-gewählte Alexandra Ocasio-Cortez aus New York, auf ein Impeachment drängen, plädieren Moderate wie Jamie Raskin für Umsicht.

Nun unterstützte sie in ihrem Bundesstaat Tennessee den demokratischen Senats-Kandidaten Phil Bredesen.

Seit dem Amtsantritt Donald Trumps hat eine 28-prozentige Rally an den Handelsplätzen stattgefunden.

Trump hat geschafft, was Barack Obama seinerzeit versäumt hat. Im Gegenteil: Die wilde Attacke des erzkonservativen Abtreibungsgegners gegen die Me-Too-Bewegung elektrisierte die Trump-Basis.

Hinzu kamen die guten Wirtschaftsdaten. Vor allem findet sich die Rekordzahl von über 100 Frauen im Kongress wieder, von denen die meisten für die Demokraten angetreten sind. Seither sind die Auguren vorsichtig geworden.

Wer wird gewählt? Gewählt werden Vertreter beider Kammern des Kongresses, also Vertreter des Repräsentantenhauses sowie des Senats. Sie werden mehr als die 23 Sitze gewinnen, die sie brauchen, um zukünftig die Kontrolle über das Repräsentantenhaus zu übernehmen.

In den Senat wird der ehemalige Präsidentschaftskandidat der Republikaner Mitt Romney für den Bundesstaat Utah einziehen. Die andere lautet. Ein ebenfalls nennenswerter Teil der Bevölkerung ist komplett anderer Meinung, begrüßt Trumps nationalistischen Populismus nicht nur, sondern will - notfalls mit einsamen präsidialen Erlassen am Parlament vorbei exekutiert - mehr davon. Im Repräsentantenhaus haben mehrere Medien die Übernahme von zwei ersten Sitzen der Demokraten von den Republikanern gemeldet, außerdem lagen sie laut CNN in 21 bisher republikanischen Wahlkreisen vorne. Die Demokraten konnten dabei einige Erfolge feiern, der ganz große Wurf ist ihnen aber nicht gelungen. Zuletzt lag sein republikanischer Herausforderer Rick Scott hauchdünn in Führung. In anderen Gegenden, oft wahren Hochburgen der Republikaner wie Texas, Georgia oder Arizona, haben sie zwar verloren, doch ihre Kandidatinnen und Kandidaten konnten die Arena erhobenen Hauptes verlassen.

Für den Präsidenten, der das Resultat erwartungsgemäß mit dem Spin eines "großartigen Sieges" schönredet, handelt es sich knapp zwei Jahre nach Amtsantritt um die erste messbare Niederlage.

Alles hängt nun von der Mobilisierung ab.

Bei der Zwischenwahl hatten damals insgesamt 82 Millionen Menschen ihre Stimme abgegeben. Die neue republikanische Fraktion im Repräsentantenhaus wird noch Trump-treuer sein als die alte. Wie werden die Wähler entscheiden?

Erste Zahlen deuten auf eine ungewöhnlich hohe Zahl von Briefwählern hin.

Was bedeutet der Wahlausgang für Donald Trump? Als Mehrheitsführerin im Repräsentantenhaus wird sie es wieder groß auf die Agenda nehmen. Drittens werden die Demokraten Trump mit Untersuchungsausschüssen unter Druck setzen, eventuell sogar ein Verfahren zur Amtsenthebung einleiten. Nicht zufällig hatten die Republikaner Wahlwerbung mit Verunglimpfungen der "Karawane" von Honduranern gemacht, die sich gerade auf dem Weg durch Mexiko zur amerikanischen Grenze befindet. Die Folge wäre eine massive Machtseteigerung für US-Präsident Trump. "Das ist eine der wichtigsten Wahlen unseres Lebens", haut er bei seinen Kundgebungen gewaltig auf den Putz.

Falls die Sache schief geht, hat er aber schon einen Schuldigen ausgemacht: Paul Ryan, den Mehrheitsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus. Ansonsten kann Trump mit präsidialen Vollmachten seinen aggressiven außenpolitischen Kurs fortsetzen. Für sich selber baut der Präsident schon vor: "Meine Hauptaufmerksamkeit hat immer dem Senat gegolten, und da läuft es wirklich gut", sagte er am Wochenende bei einer Kundgebung in Tennessee.

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