"Tatort" aus Stuttgart überrascht mit ungewöhnlicher Perspektivwechsel

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Zum Jubiläum haben sich die Tatort-Macher etwas Besonderes ausgedacht: Der Krimi ist komplett aus der Perspektive des Verdächtigen erzählt.

Während anderswo zuletzt vermeintliche Vampire und künstliche Intelligenzen ihr Unwesen getrieben haben, hat dieser "Tatort" aus Stuttgart eine klassische Krimihandlung: Nach der Ermordung eines Anlageberaters sucht die Polizei den oder die Täter im Kreis seiner Kunden, denn der Mann hat einige Menschen um viel Geld gebracht. Dabei ist Jakob Gregorowicz ein netter Kerl, liebevoller Papi und tüchtiger Mitarbeiter, der allerdings allzu dünnlippig über sein Verhältnis zum ermordeten Vermögensberater spricht.

Warum entschieden sich die Macher für diesen Perspektivwechsel?

Es hat fast komödiantische Züge, wenn die Kommissare ständig wie Springteufelchen aus der Schachtel auftauchen.

Es ist ihr Jubiläumsfall: Besonders kommt der "Tatort" zum 10. Geburtstag des Stuttgarter Gespanns Richy Müller und Felix Klare alias "Lannert" und "Bootz" aber "nur" in Sachen Erzählperspektive daher. Und es ist interessant zu beobachten, wie die Kommissare die Lügen aushebeln, immer tiefer vordringen in Richtung Wahrheit. Hat er schmutzige Geldgeschäfte gemacht mit dem Toten, einem unsympathischen Großkotz? Eigler und Neuwöhner wählen jedoch einen anderen Ansatz: Jakob Gregorowicz (Manuel Rubey) führt das Leben eines unbescholtenen Bürgers. Sein Kollege Richy Müller empfindet das Experiment "sehr spannend": "Für den Zuschauer wird es unterschiedlich in seinen Sehgewohnheiten werden". Ja, in der Tat: In solchen speziell eingerichteten Vernehmungsräumen sind ausserdem sämtliche Gegenstände verboten, die als Hieb- oder Stichwaffe genutzt werden können. Ausserdem darf keine Barriere dazwischen sein. Jakob Gregorowicz muss nach dem ergangenen Haftbefehl in der JVA zunächst seine Kleidung abgeben und wird mit Anstaltskleidung ausgestattet. In der Realität wäre dies nicht so: In der Untersuchungshaft haben die Gefangenen nämlich bestimmte Privilegien, die sie von sogenannten Strafhäftlingen - also nach einem Gerichtsverfahren verurteilte Gefangene - unterscheidet. Den Polizisten, seiner Frau, seinen Freunden gegenüber?

"Tatort", "Wilsberg" und Co.: Von diesen Formaten bekommen die TV-Zuschauer nicht genug.

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