Bayer plant Stellenabbau in Deutschland

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Berlin (dts) - Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hat den geplanten Abbau von weltweit 12.000 Stellen beim Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer scharf kritisiert. "Ein signifikanter Teil" werde in Deutschland erfolgen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Insgesamt sollen im Consumer-Health-Bereich dadurch rund 1100 Stellen wegfallen. Bayer vereinbarte mit dem Betriebsrat in Deutschland ein Zukunftssicherungsprogramm, das betriebsbedingte Kündigungen im Personalverbund der Bayer AG in Deutschland bis Ende 2025 grundsätzlich ausschließt. Sie betreffen vor allem das schwächelnde Geschäft mit rezeptfreien Arzneimitteln und den Pharmabereich.

Der Personalabbau ist Bestandteil eines Programms zur Effizienzsteigerung, mit dem der Konzern seine Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit steigern will. Die Mitarbeiterzahl von Bayer soll sogar noch stärker schrumpfen, als es der Stellenabbau allein erwarten lässt. Weitere 5500 bis 6000 Arbeitsplätze sollen bei den übergreifenden Konzern- und Querschnittsfunktionen abgebaut werden.

Bayer hat derzeit an mehreren Fronten zu kämpfen. Um in diesem Segment wettbewerbsfähig zu bleiben, habe Bayer beschlossen, den in Wuppertal gebauten Faktor-VIII-Betrieb nicht zu nutzen, sondern die Herstellung aller rekombinanten Faktor-VIII-Produkte auf den Standort Berkeley in den USA zu konzentrieren, teilte das Unternehmen mit. Das gilt insbesondere für Aussagen in dieser Mitteilung über Umsatzwachstum, einschließlich Produkteinführungen und Spitzenumsatzpotenzial, Synergien, besonders bezüglich der Akquisition und Integration der Monsanto Company, Anpassungen des Portfolios, Kostenreduzierung, Finanzziele und Erträge, Cashflow, Schuldenabbau und ähnliche Aussagen über zukünftige Leistungen, auch hinsichtlich der Märkte, in denen Bayer aktiv ist. Dort kamen am Donnerstag auch die mit dem Umbau angekündigten Milliardenabschreibungen in Höhe von 3,3 Milliarden Euro nicht gut an - Bayer-Aktien gehörten zu den größten Verlierern im Dax und gingen mit knapp 64 Euro aus dem Handel. Auf einer für den 5.Dezember geplanten Investorenkonferenz in London trifft sich die Konzern-Führung um CEO Werner Baumann mit Analysten und Fondsmanagern, um sie über Perspektiven des Unternehmens zu informieren. Auch im wichtigen Pharmageschäft hatte der Konzern zuletzt wenig erfolgversprechende Neuentwicklungen zu vermelden. Nun will der Konzern gegensteuern. Das Geschäft mit Tiergesundheit will er verkaufen. So will sich Bayer von seinem Animal-Health-Geschäft trennen und prüft entsprechende Optionen. Die Sonnenschutz-Linie Coppertone und die Fußpflegemittel der Marke Dr. Scholl's sollen verkauft werden, der gesamte Bereich wird neu organisiert. "Wir wollen in den nächsten Monaten Details zum Stellenabbau festlegen", hieß es vom Unternehmen. Die durch die Reduzierung interner Kapazitäten freiwerdenden Ressourcen sollen für verstärkte Investitionen in Forschung gemeinsam mit Partnern und externe Innovationen genutzt werden. Vorgesehen ist zudem der Abbau von rund 900 Arbeitsplätzen in der Pharma-Forschung. Der grösste Brocken der Reduktion von Arbeitsplätzen werde auf das Pflanzenschutzgeschäft und auf die spartenübergreifenden Konzernfunktionen entfallen, teilte das Unternehmen mit. Einschließlich der Monsanto-Übernahme sollen dadurch ab 2022 jährlich Einsparungen von 2,6 Mrd. "Die geplanten Maßnahmen bei Bayer sind ein gravierender Einschnitt für die Kolleginnen und Kollegen", sagte Oliver Zühlke, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von Bayer. "Die Arbeitnehmervertreter haben dennoch diesen Schritt mitgetragen, weil wir im Gegenzug belastbare Zusagen für die Beschäftigten und die Standorte für die nächsten sieben Jahre durchgesetzt haben".

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