Künstlergruppe provoziert mit Aktion: Kopfgeld für rechtsextreme Demonstranten

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Die Polizei war am Montag gegen eine umstrittene Internetaktion des Künstlerkollektivs eingeschritten.

Die linken Aktivisten gehen sogar noch einen Schritt weiter: Unternehmen sollen Teilnehmer der rechtsgerichteten Demonstrationen in Chemnitz entlassen. Sie rief dazu auf, die Beteiligten zu identifizieren und deren Arbeitgeber zu informieren. Auch bei dieser Aktion des ZPS gab es mehrere Dutzend Strafanzeigen gegen die Künstlergruppe, die bislang alle erfolglos blieben.

Die Aktionskünstler haben aufwendig recherchiert, Filmaufnahmen und Bilder von den Ausschreitungen in Chemnitz Ende August ausgewertet.

Ziel sei es, "den Rechtsextremismus 2018 systematisch" zu erfassen und unschädlich zu machen.

Das Künstlerkollektiv fordert in provokanter Weise dazu auf, die mutmaßlichen Teilnehmer der Proteste auf den Fotos zu identifizieren.

Dennoch heißt es auf der eigens eingerichteten Website "SOKO - Chemnitz" dazu wörtlich: "Denunzieren Sie noch heute Ihren Arbeitskollegen, Nachbarn oder Bekannten und kassieren Sie Sofort‐Bargeld. Helfen Sie uns, die entsprechenden Problemdeutschen aus der Wirtschaft und dem öffentlichen Dienst zu entfernen".

Die Ächtung von rechten Straftätern könne nicht allein der Politik und den Strafverfolgungsbehörden überlassen werden, dies sei ein gesamtgesellschaftlicher Prozess. Dazu sollen diese die Teilnahme an den Demonstrationen bereuen und eine "Verpflichtungserklärung" unterschreiben, die eine lange Liste von Verhaltensregeln aufführt und im Kern ein Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung und eine Distanzierung von Extremismus und Hetze fordert. Mit Verweis auf die Nachkriegsjahre sprach Philipp Ruch von einer "Entnazifizierung", die es nun wieder durchzuführen gelte.

Zugleich müssten die demokratischen Kräfte gestärkt werden. Einzelne Nutzer sehen in der Aktion auch eine Kritik an der groß angelegten Öffentlichkeitsfahndung der Polizei Hamburg nach den G20-Krawallen. Diese dürfe das Logo der sächsischen Standortkampagne "So geht sächsisch" auf der ZPS-Internetseite "soko-chemnitz.de" nicht verwenden, berichtete die Chemnitzer "Freie Presse". Tatverdächtig sind drei Asylbewerber. In Chemnitz nahmen allerdings rund 6000 Demonstranten an der angemeldeten Versammlung der rechtspopulistischen Bürgerbewegung von Pro Chemnitz teil. Der Präsident des Bundesverfassungsschutzes, Hans‐Georg Maaßen, kam dabei ins Kreuzfeuer, weil er der Schilderung einer angeblichen Hetzjagd widersprach. Im Jahr 2017 bauten die Aktivisten eine Nachbildung des Berliner Holocaust‐Denkmals vor dem Haus des AfD‐Politikers Björn Höcke in Thüringen. Damit sollte gegen eine Rede Höckes protestiert werden, in der der Politiker das Mahnmal als "Denkmal der Schande" bezeichnete und eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" gefordert hatte.

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