Vor dem Parteitag wächst die Anspannung in der CDU

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Die Nikoläuse am Rednerpult liegen schon bereit, hier werden Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn ihre Bewerbungsreden halten. Tatsächlich war Schäuble trotz diverser Meinungsverschiedenheiten mit Merkel nie illoyal, akzeptierte in der Eurokrise, dass die Kanzlerin Griechenland nicht aus der Eurozone entlassen wollte. Zur Finanzierung will Kramp-Karrenbauer Steuermittel heranziehen. Bisher hat Merkel ihm die Bedingungen diktiert: Zum Beispiel hat sie Schäuble zweimal nicht als Bundespräsidenten vorgeschlagen, obwohl er darauf hoffte und die Chance dazu bestand.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier hatte die Empfehlung Schäubles für Merz kritisiert. Der ist auf dem politischen Parkett nach zehn Jahren Auszeit nicht immer ganz trittsicher. Mehrere CDU-Spitzenpolitiker haben betont, dass die Wahl des CDU-Chefs nicht automatisch eine Vorentscheidung über den nächsten Unions-Kanzlerkandidaten sei. "Annegret Kramp-Karrenbauer wäre die gefährlichste Kandidatin für Grüne und SPD".

Klar, dass dies nicht unwidersprochen bleibt. Kürzer treten, mehr Zeit für die Familie haben, Ratschläge nur erteilen, wenn man gefragt wird - das schien die Devise. Er sprach sich öffentlich und so wortgewaltig für Merz aus, der "das Beste für das Land" sei und in der Lage "unser System zu stabilisieren", dass es in seiner Wucht so klang, als müsse ein neuer Parteichef Merz auch möglichst schnell Merkel vom Chefsessel des Kanzleramts verdrängen. Und nennt nun seine eigene. Der Vorstoß von Schäuble habe ihn überrascht und gewundert, damit sei der "Damm gebrochen", sagte der CDU-Politiker der "Rheinischen Post" und bekundete seine Sympathie für Kramp-Karrenbauer. "Das hat sie mehrfach unter schwierigen Bedingungen im Saarland als Innenministerin und Ministerpräsidentin bewiesen".

"Friedrich Merz würde sicherlich der FDP viele Stimmen abjagen", meinte Altmaier. Union und FDP sollten sich aber nicht gegenseitig kannibalisieren. Stattdessen könnte die CDU mit Kramp-Karrenbauer die Mitte ins Visier nehmen. Auch der ein oder andere Baden-Württemberger aus dem Merz-Lager fragt sich, ob Schäuble nicht "des Guten zu viel" gemacht habe. Sie zieht damit die Konsequenzen aus schweren Stimmverlusten der Union bei den vergangenen Landtagswahlen. Ende Oktober schließlich, nachdem Merkel angekündigt hatte, sich von der Parteispitze zurückzuziehen, wurde endgültig offenbar, dass die graue Eminenz im Hintergrund sehr wohl noch Politik macht.

Friedrich Merz wiederum hat starke Truppen in Baden-Württemberg. Der Nordrhein-Westfale Armin Laschet lässt zwar verbreiten, er werde AKK wählen, legt sich aber öffentlich nicht fest. Es sei wichtig, dass die CDU "geschlossen bleibt", sagte die derzeitige CDU-Generalsekretärin am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin".

Es wird mit einem knappen Rennen zwischen Merz als Favoriten vieler Konservativer und Kramp-Karrenbauer gerechnet, die als Favoritin Merkels gilt.

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