Autobauer wollen mehr investieren, um Strafzölle zu verhindern

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Nun reisen Spitzenmanager der deutschen Branchenriesen Volkswagen, BMW und Daimler zu Gesprächen nach Washington.

Möglicherweise werde Volkswagen Ford-Produktionsstätten zur Fertigung nutzen, sagte Diess in Washington. Trump hatte seine Teilnahme an dem Treffen sehr kurzfristig bekanntgegeben.

Trump hatte angekündigt, die Zölle auf deutsche Pkw-Exporte nach Amerika von 2,5 auf 25 Prozent anzuheben - Ein Zustand, den deutsche Autobauer kaum riskieren wollen.

Trump ging auf Twitter sogar noch weiter: Der US-Präsident verkündete, China sei eingeknickt und habe zugesagt, Zölle auf US-Autos zu senken oder sogar abzuschaffen. "Wenn andere Leute oder Länder den großartigen Wohlstand unserer Nation plündern wollen, sollen sie dafür bezahlen". Das Bündnis würde auch die amerikanische Autoindustrie stärken, so Diess. Besonders die deutsche Wirtschaft würde darunter leiden. Diess, Daimler-Chef Dieter Zetsche und BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter sprachen gestern Abend jeweils getrennt mit Vertretern der US-Administration.

Die Manager berichteten anschließend von "konstruktiven" Gesprächen. Zudem werde der Bau eines zweiten Werks in den Vereinigten Staaten erwogen. BMW prüfe gerade den Standort für ein zusätzliches Motorenwerk in den USA. Vorstandschef Harald Krüger hatte dieser Überlegungen bereits in der vergangenen Woche auf der Autoshow in Los Angeles bekanntgeben.

Kern-Argument der Chefs: Deutsche Hersteller produzieren pro Jahr an die 700 000 Autos in den USA, schaffen rund 120 000 Arbeitsplätze und sind, wie im Fall BMW mit seinem Werk in Spartanburg, der größte Auto-Exporteur in den USA.

Jeder der drei Konzerne habe Investitionspläne in den USA, bei deren Realisierung sowohl das Handelsumfeld als auch rechtliche Rahmenbedingungen und mögliche Zölle berücksichtigt werden müssten, sagte ein hochrangiger VW-Manager am Montag.

Sind es die zarten Entspannungssignale im Handelskonflikt zwischen den USA und China - oder doch die Erwartungen vor dem anstehenden Gespräch deutscher Autobosse im Weißen Haus?

Das auf Einladung von Washington anberaumte Treffen ist für die US-Regierung eine Möglichkeit, im Handelsstreit über Bande Druck auf die Verhandlungspartner in Deutschland und Europa auszuüben.

Im Sommer hatten EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Trump im Rosengarten des Weißen Hauses die Grundlage für ein solches Abkommen verkündet.

Diess und Zetsche betonten aber, ihr Besuch im Weißen Haus sei eng mit der Bundesregierung wie auch mit Malmström abgestimmt gewesen.

Diess sprach von "maximaler Abstimmung" mit den staatlichen und EU-Stellen. Die USA sind eines der größten Importländer für Automobile, das ist ein berechtigtes Ansinnen. Dabei geht es auch um die Lebensqualität in den Städten, sagt der Leiter der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, im Interview. Ob die deutschen Autobosse die US-Regierung von den Vorbereitungen zur Einführung von Sonderzöllen abbringen konnten, blieb allerdings offen. Die EU Kommission hat daher heute eine scharfe Warnung ausgesprochen.

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