Medienbericht: Türkei foltert Gülen-Anhänger in geheimen Gefängnissen

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Der türkische Geheimdienst betreibt laut einer internationalen Medienrecherche geheime Gefängnisse, in denen Anhänger der Gülen-Bewegung inhaftiert und gefoltert werden. Mehrere türkische Staatsangehörige wurden auch außerhalb der Türkei verschleppt.

Die Betroffenen seien dann in geheime Folterzentren in der Türkei gebracht worden. Ihnen seien Fotos gezeigt worden von anderen Gülen-Anhängern, um sie in Prozessen zu Aussagen gegen sie zu bewegen. Auch "Ali" und "Tolga" erklärten sich laut der Recherche von "Frontal 21" nach wochenlangen Verhören bereit, als geheime Zeugen gegen andere Gülen-Anhänger auszusagen. "Sie haben mich unterhalb der Gürtellinie ausgezogen und auf den Boden in eine Stressposition gelegt".

Seit dem versuchten Staatsstreich wurden in der Türkei zehntausende mutmaßliche Anhänger der als Terrororganisation verbotenen Bewegung inhaftiert und aus dem Staatsdienst entlassen. Nachdem die beiden sich bereit erklärten, als "anonyme Zeugen" aufzutreten, wurden sie freigelassen und flohen nach Europa. Sie konnten sich jedoch ins Ausland absetzen. "Aus dem Lautsprecher kamen Anweisungen. Wenn man nicht mehr kann, fällt man auf den Boden und dann gab es Faustschläge und Tritte". In zwölf davon wurden die Personen laut Augenzeugen in schwarzen Transportern verschleppt.

Mehrere Menschenrechtsorganisationen, darunter Human Rights Watch (HRW), halten die Schilderungen für glaubwürdig. Tausende suchten Zuflucht im Ausland, insbesondere in Deutschland, wo die umstrittene Bewegung über ein dichtes Netzwerk verfügt. Die türkische Regierung reagierte nicht auf eine Anfrage zu den Vorwürfen. Und was sagt die Bundesregierung dazu?

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Die Türkei entführte laut einer Medienrecherche Gülen-Anhänger und folterte sie in geheimen Gefängnissen.

Die islamisch-konservative Partei für Entwicklung und Gerechtigkeit (AKP) von Präsident Erdogan war lange mit der Gülen-Bewegung des islamischen Predigers verbündet, bevor sich Gülen und Erdogan 2013 im Kampf um Posten und Macht überwarfen. Heute wirft Erdogan der religiösen Bruderschaft vor, die staatlichen Institutionen unterwandert und versucht zu haben, ihn bei dem Militärputsch im Juli 2016 zu stürzen.

"Die an der Recherche beteiligten Medien hegen allerdings keine Zweifel an den Darstellungen von "Ali" und Tolga", ihre Glaubwürdigkeit wurde mehrfach auf die Probe gestellt.

Der türkische Menschenrechtsverein IHD ist überzeugt, dass der türkische Geheimdienst MIT für die Entführungen in der Türkei verantwortlich ist. An einem mangelte es dem Land, das einst als Anker im unruhigen Nahen Osten galt, in den verfangenen fünf Jahren: an Stabilität.

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