Bedenken zu Bundeswehr-Einsätzen in Syrien und Afghanistan | Topthemen

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Was bedeutet das für das Machtgefüge im Nahen Osten? Fachleute halten den IS keineswegs für besiegt und einen Abzug aus Syrien für hochgefährlich. Die Autoren der Analyse, Dana Stroul und Soner Cagaptay, raten der amerikanischen Regierung dringend, den Rückzugsbeschluss zu revidieren. Trump hatte noch 2017 einer Aufstockung der Zahl der US-Militärs in dem Land zugestimmt, dies nach eigenen Angaben aber widerwillig getan. Und dann sind da noch die IS-Anhänger, die Trumps Entschluss ebenfalls feiern. Das Pentagon, führende Demokraten und Republikaner im Kongress sowie Washingtons Nato-Verbündete reagieren auf diese Nachricht mit Bestürzung und scharfem Widerspruch. Ankara will die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) von der türkischen Grenze zurückdrängen. Ohne den Schutz der US-Soldaten sind die Kurden einer möglichen türkischen Militärintervention ausgeliefert.

Dabei profitiert Assad vom Einlenken seiner anfangs schärfsten Gegner, der Türkei und den USA. Zu Trumps Vorstoß erklärte Maas: "Nicht nur für uns kommt der abrupte Kurswechsel der amerikanischen Seite überraschend".

Die YPG war in den vergangenen Jahren der wichtigste Partner der USA in Syrien im Kampf gegen den IS gewesen.

Die Türkei verschiebt den angekündigten Angriff auf die Kurdenmiliz YPG im Norden Syriens. Syriens Regierung wehrt sich bislang gegen einen Verfassungsausschuss - angesichts vieler militärischer Erfolge ihrer Truppen sieht sie keinen Anlass für Verhandlungen.

Die Türkei profitiert von der Schwächung der syrischen Kurden. In den vergangenen Monaten kam es zu einer vorsichtigen Annäherung, auf einer niedrigeren Ebene trafen sich Vertreter zu Gesprächen. Für die türkische Regierung war es deshalb unakzeptabel, dass die USA Waffen an die YPG lieferten, während die PKK Terroranschläge in der Türkei verübte.

Ist der Abzug der USA aus Syrien denn schon Tatsache oder ein leerer Trump-Tweet? "Es wird einen bedeutenden Abzug geben", erklärte ein Regierungsvertreter. Zustimmung erhielt Trump von Russlands Präsident Wladimir Putin, der seit 2015 Syriens Machthaber Baschar al-Assad militärisch unterstützt. Schon jetzt ist Kremlchef Putin der wichtigste Mann im Syrien-Konflikt - mit dem Abschied der Amerikaner aus dem Land wächst sein Einfluss noch weiter.

Heute kontrolliert sie rund ein Drittel des syrischen Territoriums, darunter auch mehrheitlich arabische Städte außerhalb des kurdischen Siedlungsgebiets wie Rakka, Manbidsch und Teile von Deir Essor.

Die von Ankara als Terroristen verunglimpften syrischen Kurdenmilizen "können Tunnel graben oder unter Tage gehen". Auch wächst das Prestige der neuen Nahost-Macht Russland in der ganzen Region.

Trumps Entscheidung war auch in den USA heftig kritisiert worden. In einer Videobotschaft auf Twitter verteidigte er sein Vorgehen: "Wir haben gegen den IS gewonnen". Die Verlierer sind die Kurden, die das einzige halbwegs demokratische, mit Frauen- und Minderheitenrechten ausgestattete Gemeinwesen in Syrien für rund drei Millionen Einwohner errichtet haben.

Geopolitisch entstünde eine Situation, welche man nicht nur für den IS, sondern auch für Russland, den Iran und das Assad-Regime als "Traumszenario" bezeichnen müsse, betont Charles Lister vom "Middle East Institute" in Doha.

Lange Gesichter auch in Israel und Saudi-Arabien.

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