Putin zieht Bilanz zu 2018

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Putin las die Zahlen ab, bevor er begann, auf Fragen der Journalisten zu antworten. Die Schuld am Krieg schob er der Ukraine zu.

Der russische Präsident Wladimir Putin zieht heute vor einheimischen und ausländischen Journalisten eine Bilanz des Jahres. Der Westen fühle sich von einem immer mächtiger werdenden Russland bedroht, sagte Putin am Donnerstag vor hunderten Medienvertretern in Moskau.

MOSKAU taz | Russlands Präsident Wladimir Putin ist immer trefflich gelaunt, wenn er sich der Öffentlichkeit stellt. "Das sind ernsthafte Fragen, und es ist eine Schande, dass es eine Tendenz gibt, sie zu unterschätzen".

Dieser sei davon ausgegangen, dass es auf ukrainischer Seite Tote geben werde, und sei nun unzufrieden, dass alle Seeleute noch am Leben seien. "Uns geht es nicht um einen Vorteil, sondern darum, das Gleichgewicht beizubehalten und uns um unsere Sicherheit zu kümmern". Er hoffe, dass der gesunde Menschenverstand siegen werde.

Zugleich meldete Putin Zweifel an der konkreten Umsetzung von Trumps Ankündigung an: "Wir sehen noch keine Anzeichen für abziehende US-Truppen, aber ich schätze, dass es möglich ist". Die Regierung in Kiew sei besetzt mit Russophoben. Die russischen Darstellungen sind alle so konstruiert, dass sie nicht widerlegbar sind: Wo die Krim und die umliegenden geraubten Gewässer russisch sind, gelten die Ukrainer als Eindringlinge. Im November hatte Russland ukrainische Marineboote gewaltsam gestoppt und die ukrainischen Häfen am Asowschen Meer faktisch abgeriegelt.

Putin beschuldigte den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, einen Konflikt an der Meerenge von Kertsch provoziert zu haben, um seine Chancen auf eine Wiederwahl zu verbessern. Über das Schicksal der festgenommenen Soldaten werde nach den Ermittlungen entschieden.

Gelassen äußerte sich Putin über die Sanktionen des Westens gegen sein Land. Er beobachte eine gefährliche Entwicklung, sagte er in seiner Jahresbilanz. Als habe Russland mit der Verschärfung selbst nichts zu tun. Die Strafmaßnahmen dienten lediglich dazu, dem Fortschritt des Landes Einhalt zu gebieten. Auch die Auswirkungen der Sanktionen auf Russlands Wirtschaft stellen sich nicht nur vorteilhaft dar. "Der Landwirtschaft ist dadurch ein beispielloser Sprung nach vorne gelungen". Er sei weiter dabei, Russlands Wirtschaft umzustrukturieren. "Das Wichtigste ist, dass wir wirtschaftlich in eine neue Liga kommen müssen", sagte Putin. Die Unternehmen müssten innovativer werden.

Der Staatschef verwies auf einige positive Faktoren, darunter ein prognostiziertes Wachstum von 1,8 Prozent über das Jahr sowie ein "kleines Wachstum bei den Reallöhnen".

Putin führte bei seiner Pressekonferenz auch wirtschaftliche Erfolge an. Für die Veranstaltung in Moskaus Internationalem Handelszentrum hatten sich mehr als 1700 Journalisten aus allen Teilen Russlands und der ganzen Welt angemeldet. Sie bemühen sich mit Transparenten oder Zurufen, die Aufmerksamkeit des Sprechers zu erregen.

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