Trump: IS in Syrien besiegt - Politik

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"Sollen wir ewig dort bleiben?"

Die Verbündeten der USA sind wegen des Truppenabzugs aus Syrien besorgt.

Zuvor hatte Trump auf Twitter geschrieben, er habe mit Erdogan "ein langes und produktives Telefonat" geführt und darin "den langsamen und höchst koordinierten Abzug der US-Truppen" aus Syrien besprochen. Als Grund nannte Trump, dass die Terrorgruppe "Islamischer Staat" offiziell besiegt sei.

Aus Moskau kam prompt Lob für Trumps Entschluss. Pläne, die IS-Anhänger absichtlich freizulassen, gebe es jedoch nicht, sagte er. Die Frage sei auch, ob sich die ehemaligen kurdischen US-Verbündeten jetzt auf die Seite der Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad schlügen.

Andernfalls könnte der US-Abzug nur von kurzer Dauer sein. Schon vor Tagen hatten sie begonnen, Schützengräben entlang der türkischen Grenze anzulegen.

"Obwohl nicht völlig überraschend, ist die Entscheidung von Präsident Trump, einen militärischen Rückzug zu vollziehen, extrem kurzsichtig und naiv", schreibt Lister, der Direktor für Terrorismusabwehr am Middle East Institute in Washington ist. Tausende Soldaten könnten in ihre Heimat zurückgeschickt werden. Derzeit sind 14.000 in Afghanistan stationiert.

Das Verteidigungsministerium wollte sich nicht dazu äussern. Eine alte Hoffnung des Mullah-Regimes erfüllt sich nun dank Trump, der doch eigentlich dessen Erzfeind ist. Sie fühlen sich im Stich gelassen und müssen damit rechnen, zwischen dem Assad-Regime und der Türkei aufgerieben zu werden.

► Der IS, Hisbollah und der Iran würden vom US-Abzug profitieren, für Israel sei er ein großes Risiko. Sie besetzen aber auch Spähposten und sichern Landepisten. Auch die Partei des US-Präsidenten widerspricht.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) warnte vor der "Gefahr, dass diese Entscheidung dem Kampf gegen IS schadet und die erreichten Erfolge gefährdet". Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan sei stets "abhängig von der Präsenz der US-Truppen" gewesen, sagte er dem "Tagesspiegel" (Samstagausgabe). Die Dschihadistenmiliz bleibe auch ohne Territorium eine Bedrohung. Sollten Washingtons Truppen das Bürgerkriegsland verlassen, würde der Weg frei werden für einen türkischen Angriff auf den Norden Syriens. Das US-Außenministerium hatte sie mehrmals als eine der wenigen verlässlichen Kräfte in der Region bezeichnet.

Die USA wollen ihre Streitkräfte vollständig aus Syrien abziehen.

Auch South Carolinas republikanischer Senator Lindsey Graham - zuletzt eigentlich ein eifriger Verteidiger Trumps - beklagte sich in mehreren Tweets über die Entscheidung des Präsidenten.

Die Kurden sind in ihrer Geschichte immer wieder verraten und im Stich gelassen worden. Schon jetzt ist Kremlchef Putin der wichtigste Mann im Syrien-Konflikt - mit dem Abschied der Amerikaner aus dem Land wächst sein Einfluss noch weiter. Die Trump-Regierung hat zudem weitere Maßnahmen ergriffen, um die Beziehungen zur Türkei zu verbessern, die durch den gescheiterten Putschversuch im Juli 2016, den Washington insgeheim unterstützte, stark angespannt waren. Rubio sprach in einem Fernsehinterview von einem "furchtbaren Fehler" Trumps.

Einem Einmarsch türkischer Truppen in die einst von amerikanischen Kampffliegern vom IS befreiten Orte im Norden Syriens wie Kobane steht nach Trumps Beschluss nun nichts mehr im Wege. Derweil beschleunigt US-Präsident Donald Trump den Abgang des im Streit um die richtige Syrien-Politik scheidenden Verteidigungsministers Jim Mattis. Andreas Pfeifer analysiert die derzeitige Lage. ISIS hält dort weiterhin ein Gebiet, das ihnen die USA und ihre Verbündeten unter teils schweren Verlusten versuchen abzuringen. Großbritannien hatte bereits am Mittwoch die US-Entscheidung kritisiert.

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