Freier erschossen: Wegen Mordes verurteilte Ex-Kinderprostituierte begnadigt

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Doch nach anderthalb Jahrzehnten hinter Gittern kommt Cyntoia Brown jetzt wieder frei.

Eine Jury verurteilte die junge Frau wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe mit der Auflage, dass sie frühestens nach 51 Jahren aus dem Gefängnis entlassen werden dürfe. Sie versprach, "alles zu tun, was ich kann, um Euren Glauben an mich zu rechtfertigen". Browns leibliche Mutter war drogen- und alkoholabhängig.

Am 6. August 2004 wird das Mädchen von einem Freier angesprochen. Damals wurde die heute 30-Jährige als Erwachsene vor Gericht gestellt und verurteilt. Er schlägt sie, demütigt sie, zwingt sie in die Prostitution. Sie wird vergewaltigt, betäubt sich immer wieder mit Drogen. Brown konnte sich wehren und erschoss den 43-Jährigen schließlich. Er ist Immobilienmakler, bezahlt 150 Dollar und fährt mit Cyntoia zu sich nach Hause. Kurz darauf ist der Mann tot, von Brown mit einem Kopfschuss getötet. Sie beteuerte, sich von ihrem Freier bedroht gefühlt zu haben. Darauf deute die Auffindposition der Leiche hin. Später am Abend, als Allen schlafend in seinem Bett gelegen haben soll, schoss Brown ihm aus nächster Nähe mit einer Handfeuerwaffe in den Hinterkopf.

Das Gericht folgte der Lesart der Polizei. Kim Kardashian machte ihrem Ärger regelmäßig auf Social Media Luft und setzte medienwirksam ihre Anwälte auf den Fall an. Die Begnadigung war eine der letzten Amtshandlungen des Gouverneurs.

Der Fall Brown wurde im Jahr 2011 in einem Dokumentarfilm mit dem Titel "Me Facing Life: Cyntoia's story" aufgegriffen.

Zahlreiche Menschenrechtsaktivisten und Prominente hatten das Urteil von Anfang an kritisch kommentiert. Rihanna etwa hatte vor rund anderthalb Jahren auf Instagram geschrieben: "Haben wir irgendwie die Definition von Gerechtigkeit verändert?" Sie war von zu Hause weggelaufen und befand sich nach eigenen Angaben unter der Kontrolle eines gewalttätigen Zuhälters. In Browns Namen wurde darauf eine Klage eingereicht, in der argumentiert wurde, dass lebenslange Freiheitsstrafen ohne Bewährung für Jugendliche verfassungswidrig seien. Ebenso Basketballstar LeBron James, die Schauspielerin Amy Schumer und das Szene-Model Cara Delevingne.

Browns Fall hatte durch einen Dokumentarfilm breite Aufmerksamkeit erlangt. "Sie war nicht jemand, der mal einen Fehler gemacht hat", so Burks. Die jetzige Begnadigung Browns begründete Gouverneur Haslam auch damit, dass sie in der Haft große Anstrengungen unternommen habe, "ihr Leben neu zu gestalten". Im August soll Brown dann aus der Haft entlassen werden und danach noch zehn Jahre unter beaufsichtigter Bewährung leben. "Zum einen hat die #meToo-Debatte um Missbrauch und sexuelle Nötigung befördert, dass "die Ausgangsposition der jungen Frau in einem neuen Licht betrachtet wurde", sagen damalige Prozessbeobachter". Sie hat studiert, ein Kurs fehlt ihr noch zum Bachelorabschluss, den sie im Mai schaffen will. Im Mai werde sie den Abschluss haben. Der Film gibt der Öffentlichkeit einen sehr persönlichen Eindruck von Browns Leben und zeigt auch die Umstände auf, die das Mädchen erst in diese schreckliche Situation brachten und später zu der Tat führten.

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